Onkel Fisch zeigt rappend Haltung

Mal albern wie Louis de Funès, mal bissig in feinster politischer Kabarettmanier, immer besonders stark, wenn sie ihre Analyse der Welt hüpfend und rappend ins Publikum schrien – Engels und Riedinger schenkten dem Publikum einen kurzweiliger Abend. Selten kam ein Comedy-Programm so energiegeladen und abwechslungsreich daher. Die „Glocke“ sprach mit den beiden Künstlern über Trump, Brexit und Wale.

„Die Glocke“: Wie war ihr Jahr 2019 aus persönlicher Sicht?

Markus Riedinger: Es war ein tolles Jahr. Es war aufregend. Adrian Engels: Wir sind viel durch Deutschland gefahren und haben etliche wirklich sehr schöne Auftritte gehabt.

„Die Glocke“: Wann ist für Sie ein Auftritt sehr schön?

Adrian Engels: Wenn wir eine optimale Verbindung zum Publikum haben und es gelingt, sich gegenseitig hochzuschaukeln – und wenn dann dabei auch noch die Bezahlung stimmt.

„Die Glocke“: Bezahlung? Wie meinen Sie das?

Engels: Es gibt das Sprichwort: Was ist der Unterschied zwischen einem Comedian und einem Kabarettisten? Der Eine macht es wegen dem Geld, der andere des Geldes wegen. Na ja, wir machen es eigentlich wegen der Kunst und weil wir Komik wahnsinnig interessant finden. Wir wollten das, was wir heute machen, seit der Jugend tun. Die Bezahlung gibt uns die Möglichkeit, das Hobby zum Beruf zu machen.

„Die Glocke“: Wir war das Jahr 2019 für Sie als Comedian? Gab es genügend Höhepunkte?

Riedinger: Wir haben vor vier Jahren unseren ersten Jahresrückblick gemacht und dachten damals: Boah, war das Jahr voll, das ist nicht mehr zu steigern. Von wegen. 2019 war irre, und 2020 scheint noch irrer zu werden. Allein das Thema Brexit wird uns intensiv weiter begleiten. Anfang 2019 hat kein Mensch Greta Thunberg gekannt. Ihr erster Auftritt ist gerade einmal ein Jahr her, und schauen Sie, was daraus geworden ist. Das ist irre, denn ihre Bewegung hat nachhaltig etwas verändert.

Engels: So sieht es jedenfalls aus. Greta ist eine Chance für uns.

 „Die Glocke“: Wie haben Sie aus dieser Fülle an Themen die für Ihren Jahresrückblick ausgewählt? Gibt es immer Einigkeit?

Riedinger: Nein, auf keinen Fall. Jeder hat so seinen kleinen Darling, der unbedingt in die Schau soll. Manchmal sind das diese kleinen, skurrilen Meldungen, die man kaum glauben kann. Wie die Geschichte mit dem weißen Beluga-Wal in Norwegen, der ein russischer Spion sein sollte. Bei den ganz großen Themen sind wir uns allerdings schon einig.

Engels: Wir benötigen für das Programm einen guten Mix aus politischen und anderen Themen. Bei manchen Ereignissen hat man sofort eine Idee im Kopf, wie man sie auf der Bühne umsetzt. Manches ist aber auch nicht lustig, wie die Ermordung Walter Lübckes. Das kann man nicht komisch erzählen. Aber es gehört in unseren Jahresrückblick, weil wir eine Haltung haben.

(Lesen Sie mehr in der Montag-Ausgabe der „Glocke“.)

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