Pianistin Dina Ugorskaja begeistert in Kontrasten
Bild: Gehre
Für begeisterten Beifall und Blumen bedankte sich die renommierte russische Pianistin Dina Ugorskaja.
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Die Künstlerin entstammt einer angesehenen St. Petersburger Musikerfamilie und ist unter anderem an den Hochschulen Berlin und Detmold ausgebildet worden. Robert Schumann, der die Musik als höhere Sprache für die Vermittlung poetischer Inhalte betrachtete, schuf die 13 liebenswürdigen „Kinderszenen“ op.15, die das Konzert mit Romantik pur eröffneten. Wann je zuvor hat man wohl die bis zum Überdruss abgespielte „Träumerei“ als Mittelstück des Zyklus so anmutig, so behutsam gehört wie an diesem Abend? Schon dabei beeindruckte die Solistin durch eine Anschlagskultur vielfältiger Nuancen.

Die Klaviersonaten Ludwig van Beethovens sind immer wieder ein Prüfstein für alle Pianisten und eine Heruasforderung. In der Sonate op.110 Nr. 31 As-Dur trug die Ugorskaja dem Kosmos Beethovenscher Leidenschaft mit ausgeklügelter Agogik Rechnung, bestach die grazile Künstlerin durch einen Bewegungsdrive, der Pathos und grüblerische Depression überstrahlt. Der 4. Satz des Opus verblüffte vor dem kraftvollen Finale durch die nach Bachschem Idealmuster in schweren Schritten gemächlich fließende Fuge.

In stetiger Steigerung hatte sich die Meisterpianistin Frédéric Chopin für den spektakulären Schlusseffekt aufgespart: die Sonate Nr. 3 op.58 h-moll. Aus souveräner Überschau gestaltete sie im maskulinen Zugriff das wortwörtlich genommene Allegro Maestoso, dessen romantische Klaviermelodie immer wieder aus den diffusen Grundierungen aufblüht. In den rasend schnellen Läufen des Scherzos flog die Künstlerin mit flinken Fingern in geradezu artistischer Technik über die Klaviatur. In schweren, langsamen Akkorden ging sie das Largo an, um schließlich mit den extremen manuellen und geistigen Anforderungen des abschließenden Prestos zu brillieren.

Das beeindruckte Publikum feierte die Künstlerin mit anhaltendem Beifall und wurde mit dem klassischen Ebenmaß des langsamen Satzes aus Mozarts Sonate KV 333 als Zugabe belohnt. Das letzte Wort hatte Marlen Tenkhoff: Im Namen der Konzertfreunde dankte sie dem Leiter der Abteikonzerte, Florian Meyer-Langenfeld, mit einem Blumenangebinde für seinen unermüdlichen Liesborner Einsatz.

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