Recherche in den Archiven des Vatikans
Bild: Husmann
Thorsten Espenkotte war vor Weihnachten ein Wochenende in Rom und hat in den Vatikanischen Geheimarchiven über geschichtliche Zusammenhänge recherchiert.
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 Seinen wissenschaftlichen Recherchen durfte er kürzlich sogar in den Vatikanischen Geheimarchiven in Rom nachgehen. Ein spezieller Ausweis brachte Espenkotte dorthin, wo nicht jeder Zutritt hat. Dazu hat der Diplom-Kaufmann und Diplom-Volkswirt, der 1999 sein Abitur am Gymnasium Johanneum abgelegt hat, den Vatikan angeschrieben, sein Interesse begründet und dazu sämtliche Fachzeugnisse eingereicht. Es dauerte nicht lange, bis der Liesborner das positive Antwortschreiben in den Händen halten konnte. Mit seinem Bruder Daniel (30) buchte er kurzerhand ein Wochenende in Rom.

Von Düsseldorf aus ging der Flieger Richtung Süden. In der Landeshauptstadt am Rhein ist Thorsten Espenkotte bei der Bundesagentur als Leiter eines statistischen Arbeitsgebiets für die Region Westfalen beschäftigt. Neben Skifahren und Tennisspielen zählt er auch das Interesse an kirchengeschichtlichen Zusammenhängen zu seinen Hobbys. Ein bisschen spiele aber auch der Gedanke eine Rolle, vielleicht einmal ein Promotionsstudium aufzunehmen, verrät der Liesborner.

Abenteuerlich startete das Wochenende in Rom mit der Taxifahrt zum Hotel. Verkehrszeichen, die lediglich als „Hinweise“ interpretiert werden und lautstarke Beschimpfungen im Straßenverkehr entsprachen den gängigen Klischees. Am nächsten Tag ließen sich die Brüder die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der „Ewigen Stadt“ nicht entgehen.

 Für den Nachmittag hatte Thorsten Espenkotte schließlich seine Recherche im Archivs des Vatikans geplant. Nachdem er sich bei der Wache der Schweizer Garde mit seinem Empfehlungsschreiben Zugang verschafft hatte, erhielt Thorsten Espenkotte im Sekretariat der Präfektur einen Sonderausweis für die geplante Recherche.

Im Leseraum des Vatikanischen Geheimarchivs wählte der Liesborner anhand von Indizes die für ihn in Frage kommende Literatur aus, gab persönlich die Bestellung auf und bekam die Lektüre an den Platz gebracht. In einer Loseblattsammlung zum Thema „Antisemitismus“ fand Thorsten Espenkotte handschriftlich verfasste Dokumente mit interessantem Inhalt.

In einer Abhandlung zu „aktuellen politischen Fragen“ aus dem Jahr 1928 habe das Deutsche Reich den Vatikan nachdrücklich auf die Gefahren des Kommunismus hingewiesen und detailliert den Weg einer Linkspartei in eine kommunistische Diktatur beschrieben, berichtet er von seinen Recherchen. „Bemerkenswert mit Blick auf das, was später in Deutschland passiert ist“, findet Espenkotte.

Schwerpunktmäßig habe er sich mit den Lateranverträgen vom 11. Februar 1929 und dem Reichskonkordat vom 20. Juli 1933 beschäftigt. Letzteres regelte das Verhältnis zwischen dem Deutschen Reich und dem Heiligen Stuhl. Dieser Staatskirchenvertrag sei auch heute noch in weiten Teilen für die Bundesrepublik Deutschland gültig, unter anderem sei darin explizit das Recht der Kirche auf Erhebung von Kirchensteuern genannt, erklärt der ambitionierte Hobby-Historiker.

Der Besuch in Rom habe sich nicht nur aus Recherchegründen gelohnt, zieht Thorsten Espenkotte ein positives Fazit von einem informativen Wochenende. Dass er bald wiederkommen möchte, steht für ihn fest.

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