Richter haben Zweifel an Aussage
Am dritten Verhandlungstag vor dem Landgericht Münster äußerten die Richter Zweifel an der Aussage der 19-jährigen Wadersloherin. Ihr wird vorgeworfen, ihren Säugling im vergangenen Jahr mit einer Überdosis an Medikamenten getötet zu haben.

War es ein tragischer Unglücksfall? War es die Verzweiflungstat einer überforderten jungen Mutter, die den Tod ihres Babys billigend in Kauf nahm? Oder war es sogar ein kalkuliertes Verbrechen, weil das Kind einer neuen Beziehung der jungen Frau im Wege stand?

Wie auch schon an den ersten beiden Verhandlungstagen wiederholten die Richter am Donnerstag ihre Zweifel an den bisherigen Einlassungen der Angeklagten.

Als Zeugen sagten mehrere Polizisten aus, die mit den Ermittlungen in den Tagen und Wochen nach dem Tod des Säuglings zu tun hatten. Der drei Monate alte Junge war am 2. September vergangenen Jahres in Wadersloh an einer sehr hohen Dosis eines Schlafmittels gestorben, die sogar für Erwachsene lebensgefährlich gewesen wäre. Überdies hatte das Kind ein Antidepressivum und Hustensaft im Blut. Diese medizinischen Feststellungen sind eindeutig.

Unklar bleibt dagegen weiterhin, warum die damals 18-Jährige ihrem kleinen Sohn die Medikamente verabreichte. Nach eigener Aussage habe sie das unruhige Kind nur in den Schlaf bringen wollen. Deshalb habe sie ihm das Mittel Sedaplus zunächst in der Nacht gegen 5 Uhr und dann noch einmal nachmittags um 15 Uhr mit der Babynahrung gegeben. Niemals habe sie mit den schrecklichen Folgen gerechnet. Fraglich bleibt, warum sie an diesem Tag im Internet nach den Wirkungen und der möglichen Gefährlichkeit von Sedaplus recherchiert hat. Die Polizei hatte das herausgefunden, und die Angeklagte stritt es auch nicht ab. Sie habe im Netz allerdings nichts über die Gefahren des Mittels gefunden.

Nachdem sie dann am Nachmittag des 2. September den Tod ihres Babys festgestellt hatte, fuhr sie nach Borken zu ihrem neuen Freund. Dabei verließ sie die Wohnung, in der sie gemeinsam mit ihrer Mutter und deren Partner lebte, offenbar Hals über Kopf.

Als der Lebensgefährte ihrer Mutter später zurückkam, fand er die Balkontür offen. Und der Fernseher lief. Ins Zimmer mit dem toten Baby ging der Mann nicht. Den Leichnam des Kindes entdeckte die Oma erst am nächsten Tag. Der Prozess wird am nächsten Dienstag fortgesetzt.

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