Von Skriptorien und Schreibermönchen
Foto: Steinhoff
Kunsthistorikerin Dr. Alice Selinger hat sich intensiv mit der Schreibkunst des Mittelalters beschäftigt. Ihre Ausstellung im Museum Abtei Liesborn, die bis zum 8. November zu sehen ist, zeigt unter anderem Schreibwerkzeuge und informiert darüber, wie aufwändig in den Skriptorien Farben hergestellt wurden
Foto: Steinhoff

Die Besucher erhalten darin einen interessanten Einblick in die Schreibkunst des Mittelalters. Die wurde etwa vom 7. bis 12. Jahrhundert vornehmlich in den Klöstern ausgeübt. Stundenlang saßen in den Skriptorien die eigens ausgebildeten Schreibermönche und setzten fein säuberlich, mit Gänsekiel und Tinte, Buchstabe an Buchstabe auf das aus Tierhäuten hergestellte Pergament. Kunstvoll verzierte Initialen und farbige Malereien versetzen den heutigen Betrachter schlichtweg ins Staunen. Teilweise dauerte die Herstellung eines Buches mehrere Jahre.

Auch Dr. Alice Selinger ist dieser Faszination erlegen. Die Kunsthistorikerin beschäftigt sich intensiv mit der mittelalterlichen Buchmalerei. Eine ihrer Ausstellungen hat sie bis zum 8. November dem Museum Abtei Liesborn zur Verfügung gestellt. In den Vitrinen wird erklärt, mit welchem Aufwand im Mittelalter aus Mineralien, Pflanzen und tierischen Stoffen wie Schildkrötengalle, Läusen und Purpurschnecken Farben hergestellt wurden. Auf langen Handelsrouten sei Lapislazuli aus Afghanistan herbeigeschafft worden, um die Farbe Blau herzustellen, nennt Selinger ein Beispiel für den unglaublichen Aufwand, der damals betrieben wurde. Zum Teil sei der blaue Edelstein teurer gehandelt worden als Gold.

„Mich fasziniert, dass die Farben heute immer noch so leuchten“, betont die Kunsthistorikerin. Von dem damaligen Wissen über die Herstellung der Farbpigmente sei sie tief beeindruckt. Ihre Faszination gibt die Ausstellung wieder. Wer sich die Zeit nimmt, taucht tief in die Welt der mittelalterlichen Skriptorien ein.

Und das Liesborner Evangeliar, obschon noch nicht im Original zu sehen, ist allgegenwärtig. Im Foyer sind Auszüge aus den ersten Seiten aufgehängt, im Festsaal erfährt der Besucher, wie der Kunstschatz wieder zurück nach Liesborn gekommen ist. Ein eigens hergestelltes Buch liegt auf einem Schreibpult aus und bündelt alle Informationen zum Evangeliar. Saskia Timmas, wissenschaftlicher Volontärin, hat die Ausstellung mit einem museumspädagogischen Angebot ergänzt: Die Besucher dürfen selbst zu Gänsefeder und Tinte greifen und sich wie ein mittelalterlicher Schreibermönch fühlen.

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