Böllerwurf nicht zu beweisen: Freispruch
Mit einem Freispruch endete am Mittwoch eine Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht in Warendorf um einen Böllerwurf.

Einer der Beamten, ein 45-Jähriger, der bei der Begleitung der Preußen-Fans vom Bielefelder Hauptbahnhof zur Schüco-Arena als Gruppenführer im Einsatz gewesen war, berichtete als Zeuge vor dem Jugendschöffengericht , dass er immer noch unter einem Pfeifton im Ohr leide.

Genau wie die drei übrigen Polizisten, die das Jugendschöffengericht als Zeugen vernahm, konnte der Mann allerdings keine näheren Aussagen zum Böllerwurf machen oder gar den Werfer identifizieren. Ebenfalls nicht zur Aufklärung beitragen konnte ein 21-jähriger Student aus Münster, der in der Gruppe der Preußen-Fans unterwegs war, aber ebenfalls nichts gesehen haben will. „Ich weiß, dass Böller explodiert sind“, gab er zu Protokoll. Mögliche Werfer habe er nicht erkannt.

So musste sich das Gericht zur Wahrheitsfindung auf Videoaufnahmen stützen, die die Polizei während der Begleitung der Preußen-Fans zum Stadion angefertigt hatte. Aufnahmen, auf denen der Angeklagte zweifelsfrei zu identifizieren war. Ebenso war deutlich zu erkennen, dass der Warendorfer nur wenige Minuten vor dem Böllerwurf einen Gegenstand in der Hand hielt, diesen seinem Nebenmann zeigte und dann wieder einsteckte.

Ein Gegenstand, der aber nach Überzeugung von Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht nicht als Böller identifiziert werden konnte. Der Angeklagte ließ seinen Verteidiger erklären, es habe sich um Drogen gehandelt.

Angesichts dieser Beweislage beantragten Staatsanwaltschaft und Verteidigung Freispruch. Anträge, denen das Jugendschöffengericht folgte, reiche doch das bloße Gehen in einer Gruppe, aus der der Böller geworfen werde, nicht zu einer Verurteilung. Das „kindlich-infantile Verhalten“ eines Böllerwurfs, dass „leider viele Fußballfans an den Tag legen“, kritisierte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung dennoch. Es sei schließlich „saugefährlich“.

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