160-mal Protest gegen falschen Denkansatz
Bild: Ebert
Die 160 Demonstranten vor dem Kreishaus hatten ihren Protest auch optisch vorbereitet.
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Sie ließen sich auch nicht – wie von der Ordnungsbehörde vorgesehen – zum Demonstrieren „hinter einer Hecke“ parken. Mit Trillerpfeifen begrüßten die Protestler die Experten, die im Kreishaus den Planungsstand erörterten.

Politik verhindert

Bernhard Kremann, Vorsitzender der Bürgerinitiative Verkehrskonzept Warendorf, hatte im Vorfeld gemeinsam mit Unternehmern, Landwirten und Vereinen zahlreiche gelbe Schilder gefertigt und verteilt. Das Projekt B 64n sei ein „flächendeckendes Thema, das man nicht einfach so fressen kann“, sagte Kremann.

Die Bürgerinitiative setze sich lange Zeit für die Verkehrsverbesserung ein, Vorschläge werden jedoch meist politisch verhindert, bedauerte er. Der Bau breiter Straßen, das Denken im großen Stil, sei heute nicht mehr sinnvoll, warnte Kremanns Sohn Bernhard. Es gebe genug kleinere, schneller umsetzbare und vor allem kostengünstigere Lösungen. Bei so einem großen Projekt, da werde am Anfang eine Summe genannt, die letztlich eh überschritten wird, das dürfe gar nicht erst passieren.

Haus abreißen

Persönlich betroffen sind Anne und Tochter Ida aus Freckenhorst, deren Haus der Umgehungsstraße weichen müsste. „Wir wünschen uns eine vernünftige Alternative, das Verkehrsproblem kann man auch in kleinerer Form lösen, und nicht in der Dimension eines Autobahnkreuzes.“

Direkten Einfluss auf die eigene Scholle hätte die B 64n, konstatierte auch Elisabeth von Müller (Clarholz): „Der Axtbach müsste verlegt werden.“ Mit besonderem Blick auf die Umwelt protestierte Elisabeth Meier, Sprecherin der Kulturlandschaft Sundern-Samtholz-Brock: „Die Pläne aus den 1980ern passen nicht mehr in das 21. Jahrhundert, in dem die Menschen für den Klimaschutz auf die Straße gehen. Wie sollen uralte Planungen für die Mobilität von morgen stehen?“ 19 Brücken würden im Zuge des Neubaus in Herzebrock-Clarholz entstehen.

Immer die Wirtschaft

Birgit Lütke Föller (Beelen) und Dr. Reinhold Schoppmann (Warendorf) waren sich in ihrer Einschätzung einig: „Wir unterwerfen unseren Lebensraum immer mehr Wirtschaftsinteressen. Damit muss Schluss sein.“ Den enormen Flächenverbrauch und die zunehmende Umweltverschmutzung durch ein verstärktes Verkehrsaufkommen befürchteten alle Demonstranten.

Nicht nur Kritik gegen die B 64n, sondern auch generelle Lösungsvorschläge äußert Sabine Paltrinieri aus Warendorf. Die Dimensionen des Dinosaurierprojekts wären vollkommen überzogen und gerade heutzutage unverantwortlich. Stattdessen solle man in den Ausbau des ÖPNV-Netzes investieren.

Es sei kein Wunder, dass die Menschen bei den unzureichenden Verbindungen das Auto den öffentlichen Verkehrsmitteln vorziehen. „Ein ÖPNV zum Abgewöhnen“, klagte die Landschaftsökologin. Man dürfe nicht an dem Prinzip „Business as usual“ festhalten, sondern müsse sich endlich einsetzen und Änderungen bewirken.

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