Auf dem Weg zur „Warendorfer Position“
Der Wind pfeift durch die Industriebrache Brinkhaus. Anfang Dezember war Anzeige erstattet worden, weil Vandalen im ersten Stock die Fensterscheiben mitsamt deren Rahmen aus der Fassung gerissen hatten.

Als Grundlage nutzen Alfred Kiel und Sigfrid Krebse dafür einen Fragenkatalog, der in der „Glocke“-Ausgabe vom 1. Februar aufgeführt wurde. Unter anderem mit Heimatverein und Altstadtfreunden diskutierten die Arbeitskreis-Vertreter ihren Weg zur „Warendorfer Position“.

Baumschutz soll priorisiert werden

Drei Anliegen bilden dabei den Kern der Wünsche des Arbeitskreises: Der Verzicht auf Wohnbebauung auf der Emsinsel, die Einrichtung eines Denkmalbereichs für die historischen Fabrikgebäude sowie die Priorisierung von Baumschutz für den geplanten Emsdurchstich.

Wenn auch kein Neubau, insbesondere kein Wohnungsbau, ist für die Mitglieder des Arbeitskreises die Errichtung eines Hotels oder Hostels vorstellbar. Allerdings: „Sollte das Hotel direkt an der Straße ‚Zwischen den Emsbrücken‘ geplant werden, sehen wir Pförtnerhaus und Wagenhalle der Brinkhaus-Brache in Gefahr. Die wollen wir, gemeinsam mit den zwei Sheddach-Hallen auf dem Gelände, in jedem Fall erhalten“, sagt Sigfrid Krebse.

„Ja“ zu Haltepunkten, „Nein“ zu Parkplätzen 

Übernachtungsmöglichkeiten solle es dennoch geben. Wie das genau aussehen soll, da müsse man flexibel sein. Dementsprechend müsste es auch Haltepunkte, etwa für Reisebusse, geben.

Aber, das ist Krebse und Kiel wichtig: „Wir sagen ‚Nein‘ zu Parkplätzen.“ Der ruhende Verkehr solle aus der Fläche herausgehalten werden. Ganz besonders, wie im Fragenkatalog zur Nachnutzung als Option aufgeführt, in Form einer Hochgarage.

Historische Substanz erhalten

Weiter heben Sigfrid Krebse und Alfred Kiel den Denkmalcharakter der historischen Substanz hervor. Das Bürogebäude von 1879, die Wagenhalle, das Pförtnerhaus von 1950, die beiden Sheddach-Hallen – all das solle in einem Denkmalbereich zusammengefasst werden. In irgendeiner Form solle auch das Thema „museale Erinnerung an die Textilgeschichte Warendorfs“ in die Nachnutzung integriert werden – vor Ort, nicht in anderen öffentlichen Gebäuden. Ganz im Sinne der „Emsinsel für alle Bürger“ eben, die der Arbeitskreis seit langem fordert.

Einmal mehr weisen die „AK Emsinsel“-Sprecher Kiel und Krebse darauf hin, dass derzeit der Wind durch das Bürogebäude Brinkhaus pfeift. Krebse hatte in der Einwohnerfragestunde der jüngsten Sitzung des Rats der Stadt am 30. Januar seinen Unmut darüber geäußert, dass seit Anfang Dezember Fensterscheiben und -Rahmen im Fabrikgebäude fehlen, mutwillig herausgerissen wurden.

„Fühle mich für dumm verkauft“

„Seitdem hat sich nichts getan“, ärgert sich Krebse. Die historische Bausubstanz werde von Wind und Wetter dauerhaft beschädigt. „Vom Bürgermeister habe ich die selbe Antwort gehört wie vom Investor, dass sie miteinander im Gespräch seien“, betont der Aktivist. Diese Mühlen mahlten unglaublich langsam.

„Stadt oder Investor müssten lediglich einen Schreiner bestellen. Dann wären die Fenster innerhalb eines Tags wieder dicht“, sagt Krebse. Mit der Art und Weise, mit der aktuell mit seiner Beschwerde – und generell mit dem Arbeitskreis – umgegangen werde, fühle er sich „für dumm verkauft“.

Sauer stößt den „AK Emsinsel“-Sprechern auch eine Empfehlung des Bürgermeisters auf, dabei zu bleiben, den Emsdurchstich durch den Brinkhauspark statt über die Industriebrache zu führen („Die Glocke“ berichtete am Donnerstag) und damit, wie Krebse es impliziert, den Weg für eine vollständige Wohnbebauung des Industriegeländes zu ebnen. Laut Aussage der Bauverwaltung hätten sich die Rahmenbedingungen für eine Variantenauswahl für das Projekt „Neue Ems Ost“ seit der Beschlusslage des Rates aus dem Jahr 2016 nur marginal verändert.

Krebse spricht von „Demokratur“

Alfred Kiel kontert: „Seit 2016 hat sich viel geändert. Der Umweltschutz spielt seitdem eine viel größere Rolle.“ Noch drastischer drückt es sein Kollege Sigfrid Krebse aus, wenn er von „Demokratur“, einem Kofferwort aus „Demokratie“ und „Diktatur“, spricht. „Die Bürger werden ausgeblendet, das wird von oben, vom Rat, entschieden – statt, wie in einer Demokratie üblich, von unten“, betont er.

In etwa so, wie auch die rund 150 Bäume ausgeblendet würden, die für den Emsdurchstich über den städtischen Brinkhauspark weichen müssten.

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