Auf den Spuren der Zigarrenmacher
Bild: Gabi Wild
Genuss unter kritischer Beobachtung: Der Amtsdiener (Alfred Smieszchala), der die Einhaltung der Polizeiverordnung zum Brandschutz von 1813 zu kontrollieren hat, erwischt drei Paffer (v. l.) Friedrich-Wilhelm Kleyboldt, Ludger Hölling und Helmut Langkamp, Teilnehmer des Stadtrundgangs, vor dem Haus des letzten Zigarrenmachers von Warendorf, Christoph Uchtmann.
Bild: Gabi Wild

Der Vorsitzende der Altstadtfreunde und geistige Vater des „Dezentralen Stadtmuseums“ schlüpft daher gern auch einmal in die Rolle eines Stadtführers. In der Reihe „Nach(t)tisch“ hat er am Freitagabend gut 30 Teilnehmer eines Altstadtrundgangs auf die Spuren der „Zigarrenmacher“ von Warendorf geführt.

Nachdem „Nach(t)tisch“ früher bereits das eher blutrünstige Zeitalter der Wiedertäufer zum Thema gehabt hatte, ging es diesmal eher um einen heute wie damals nicht unumstrittenen und mythenhaften Genuss: das Rauchen. „Das Thema zieht. Wir hatten deutlich mehr Anfragen, mussten die Gruppengröße aber beschränken“, erläuterte Bettina Kopmann, die die Führung mit konzipiert hatte. „Vielleicht wiederholen wir das Angebot“, überlegte Sandmann.

 Der Rundgang startete auf dem Marktplatz und führte in mehreren Stationen zu Stellen in der Altstadt, an denen sich einst Manufakturen der Tabakverarbeitung und Zigarrenläden befanden, darunter am Ostwall – auf der heute banal als „Parkplatz Ostwall“ bezeichneten Freifläche stand früher die Zigarrenfabrik Schmitz – und am Heumarkt. Unterwegs erlebte die Gruppe die eine oder andere stadtgeschichtliche Inszenierung, in der Alfred Smieszchala, mal als Magistratsdiener, mal als Ausrufer verkleidet, die tragende Rolle spielte.

Ziel war aber das Haus Gerichtsfuhlke 1, in dem „der letzte Zigarrenmacher Warendorfs“, Christoph Uchtmann (1888 bis 1964), gelebt hatte. Dieses Gebäude wird in Zusammenarbeit zwischen dem heutigen Eigentümer und den Altstadtfreunden zurzeit restauriert und für künftige Zwecke – weiterer Teil des Dezentralen Stadtmuseums und Ferienwohnung – umgebaut. Dort fand der gesellige Abschluss bei Würstchen und Kartoffelsalat, Wein und – Namensgeber der Reihe – verschiedenen Nachtischen statt. Dort konnte die Teilnehmer auch Pflanzenblätter und Tabak einmal selbst in die Hand nehmen und alte Gerätschaften aus der Tabakverarbeitung sehen, nachdem zuvor einige aus der Gruppe bereits von Sandmann mitgebrachte 35-Cent-Zigarren – natürlich nur in der frischen Luft – gepafft hatten. Der blaue Dunst war ein ganz besonderes Symbol, konnte doch so ein Stück Stadt- und Alltagsgeschichte förmlich „inhaliert“ werden.

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