Auf den Spuren der jüdischen Bevölkerung
Bild: Bussieweke
Eine Woche lang steht das Gedenken an die Opfer des Holocausts für (v. l.) Jette Mueller, Matthias M. Ester, Luisa Steinkamp, Lehrer Roland Niehues, Lara Tewes, Lehrer Moritz Wehmschulte und Melina Uekötter im Mittelpunkt. Die geplanten Gedenkstätten-Fahrten führen nach Riga, Auschwitz, Münster und Dortmund.
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„Aus Westfalen und speziell aus dem Münsterland sind die meisten Juden in die lettische Hauptstadt Riga deportiert worden. Auschwitz steht als Gedenkstätte meistens im Mittelpunkt. Aber gerade für Warendorfer waren die Wälder des Baltikums von zentraler Bedeutung, wo zahlreiche Juden umgebracht wurden“, erklärt Matthias M. Ester und runzelt die Stirn.

Teil der Warendorfer Stadtgeschichte im lettischen Riga

Der Historiker aus Münster war unter anderem an der Namensgebung für das PSBK beteiligt, pflegt den jüdischen Friedhof und leitet die örtliche Stolperstein-Initiative, an der auch die Warendorfer Altstadtfreunde beteiligt sind.

Am 13. Dezember 1941 seien von Münster aus rund 1000 Menschen deportiert worden, elf davon aus Warendorf und dem Stadtteil Freckenhorst. „Deswegen findet ein Teil der Warendorfer Stadtgeschichte in Riga statt – im Schatten von Auschwitz, in Erschießungsstätten im Wald“, erklärt Ester.

Jeder Schüler soll Gedenkstätte besichtigen können

Etwa 55 Massengräber gebe es dort mittlerweile zu besichtigen, Namenssteine weisen auf die Herkunft der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus hin.

„Wir wollten jedem Schüler das Angebot machen, eine Gedenkstätte zu besuchen“, erklärt Lehrer Roland Niehues – freiwillig und bildungsgangübergreifend. „Es haben sich angehende Elektriker und Einzelhändler genauso angemeldet wie Abiturienten. Schüler, die schon Gedenkstätten besichtigt haben und Schüler ohne Vorerfahrung“, ergänzt Niehues.

Für die Fahrt nach Riga haben sich 22 Schüler angemeldet, 16 fahren eine Woche lang nach Auschwitz. Zwei Tagesfahrten zum Ende des Monats führen zur Steinwache in Dortmund und zur Villa ten Hompel in Münster.

„Es ist wichtig, aus der Vergangenheit für die Gegenwart zu lernen“

Warum ist es wichtig, der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken? Schülerin Lara Tewes: „In Zeiten, zu denen die AfD immer mehr Wähler für sich zu gewinnen scheint, ist es wichtig, dass wir uns mit der Vergangenheit Deutschlands auseinandersetzen.“

Zeitzeugen sterben, die Geschehnisse des Nationalsozialismus – Holocaust und Euthanasie-Verbrechen – liegen immer weiter in der Vergangenheit, drohen fast, in Vergessenheit zu geraten. „Dabei ist es wichtig, aus der Vergangenheit für die Gegenwart zu lernen“, erklärt Lara Tewes.

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