Aus diesen Bechern isst die Welt
Bild: Ebert

Der Eierbecher hat mit Waffen geführte Kriege und Glaubensauseinandersetzungen aller Kategorien überstanden.

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Selbst die Beantwortung der Fragen: „Wann ist hart hart?“ und „Ist flüssig auch weich oder muss weich flüssig sein?“ erlauben unterschiedliche Antworten. Gesetzt hingegen ist, dass ein Ei in der dafür kreierten Vorrichtung serviert wird: dem Eierbecher. Ein Mosaik aus der Römerzeit belegt, dass bereits 40 vor Christi Geburt eine entsprechende Halterung das Ei vor dem Verzehr in der Senkrechten gehalten haben. Und das gehörte während des ganzen Jahres zur Etikette – 40 v. Chr. hatten die Menschenkinder keinen Grund, ein Osterfest mit eigenen Tischregeln zu feiern.

Der Eierbecher hat mit Waffen geführte Kriege und Glaubensauseinandersetzungen aller Kategorien überstanden. Dazu zählte vielleicht auch in Warendorf ein Streit, die Benutzung eines Eierbechers sei dem Adel vorbehalten. Da diese Spezies in der Kreisstadt in der absoluten Minderheit ist, hat der Eierbecher die breite Bevölkerung erobert. In Warendorf trotzt er der Behauptung: „Seit der Schließung des letzten Haushaltswarengeschäfts ist vor Ort kein Eierbecher mehr zu bekommen.“ Mehr als genug: Die Modelle reichen von A-pril über Unplugged bis zum Egg-Cup. Plastik, Holz, Porzellan und Edelstahl eignen sich als Trägermaterial des Nahrungsmittels. Die Preise variieren zwischen 50 Cent und 15 Euro.

Ein spezielles Eierbecher-Geschäft sucht man in der Emsstadt verständlicherweise vergebens. „Da würde sich nicht lohnen“, sagt die Fachkraft im Drogeriemarkt. „Holland & More“ stuft den Eierbecher als Saisonartikel ein. Das einzige Porzellanmodell ist schlicht und weiß gehalten. Eine Henne scheint bei dieser Ausführung den Verzehr des Ei begleiten zu wollen. Einfacher sind die drei hochstieligen Holzbecher bei Darpe geraten, die den österlichen Aktionstisch bereichern. In dem Schreibwaren-Fachgeschäft kann man sich an die Eierbecher-Bastelbögen erinnern, aus denen die 68er-Generation die Halterung noch selbst zusammengeklebt hat. „Ausverkauft“ heißt es in dem Ladenlokal eines Kaffeerösters mit Kauf-Hinweis zum firmeneigenen Internetshop. Auch dort hat der Eierbecher zurzeit Lieferzeit. Sofort mitnehmen kann der Kunde das Stück Geschirr im „Homeline“. Mit und ohne Warmhaltevorrichtung gehen die Teile dort über den Tresen. Ein Hersteller bietet sogar den Eierbecher für Verliebte. Oder warum passen in eine Porzellanvariante zwei Eier? „In die eine Mulde können Sie auch Remoulade füllen“, liefert die nette Verkäuferin eine Anregung. Die Fantasie für Zutaten streikt aber angesichts des Sechsfach-Eierbechers.

Zeitlos schön sind die Modelle, die „Impresionante“ vorhält. Die Gefäße im Bauhausstil sind in 42 Farben lieferbar – selbstverständlich ganzjährig. Wie das Ei, das laut Wiktionary „mit dem runden oder spitzen Ende nach oben in den Eierbecher gestellt werden darf“.

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