B64n: „Nicht durch die Windschutzscheibe“
Foto: Straßen NRW
Auch die in Teilbereichen gegenüber diesem Entwurf reduzierte Ausbaubreite der geplanten B 64n-Südumgehung für Warendorf (hier der geplante Verknüpfungspunkt mit der Freckenhorster Straße/L 547) ist für die Ratsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen nicht akzeptabel. Sie sieht alle Chancen für eine entsprechende Resolution im Rat.
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Die Partei habe sich von Beginn an gegen den Bau der B 64n ausgesprochen, die Gründe hätten sich heute nicht geändert, sagt Fraktionssprecherin Jessica Wessels. Das Großprojekt sei ein unverhältnismäßiger Eingriff, es würden bestehende Naturräume und landwirtschaftliche Flächen zerstört. „Die B 64n kann als ,Fernstraße‘ bezeichnet werden, denn es geht nicht primär um eine Entlastung für Warendorf, sondern um eine überregionale Verbindung der Oberzentren Münster und Bielefeld.“

Straßenplanung komplett auf Prüfstand

Dass nun Straßen NRW das Verkehrsaufkommen auf Teilen der Trasse als geringer prognostiziert und in der Folge eine durchgängige Dreispurigkeit für nicht mehr zwingend erforderlich hält, „überrascht uns nicht und bestärkt uns in der Forderung, dass die Planungen komplett geprüft werden müssen. Ist die Straße erst gebaut, ist es zu spät“, so Wessels.

Politisch stelle sich auch die Frage nach dem Zweck, den der Landesbetrieb mit der angedeuteten Planänderung verfolge: „Die Mitteilung ist unkonkret. Es kann allenfalls eine minimale Verringerung des Flächenverbrauchs vermutet werden.“ Am Ausbaustandard und an den Grundlagen der Planung ändere sich praktisch nichts. Es blieben Brückenbauten, Höhenlage, Verlärmung sowie das benötigte Parallelwegenetz und eine „kaum spürbare Entlastung des Ortskerns“. Stattdessen würde nur zusätzlicher Verkehr angezogen.

Lokalpolitischer Druck entscheidend

Ein Grund für die Planungsvariante könne aber auch der wachsende „lokalpolitische Druck entlang der Trasse“ sein. Die Räte in Beelen, Telgte und Münster hätten sich bereits gegen die Dimensionierung der „4zu1-Ostmünsterland-Verbindung“ ausgesprochen. In Warendorf liege nun ein gemeinsamer Antrag von SPD, Bündnis 90 / Die Grünen, FWG und Die Linke / Die Partei vor, der baldmöglichst in den Ratsgremien öffentlich behandelt werden solle.

„Wir sind davon überzeugt, dass den riesigen Belastungen und Schäden nur geringe Vorteile für Warendorf gegenüberstehen“, so Wessels: „Wenn der umfängliche politische Wille da ist, ist es auch im ländlichen Raum möglich, gute Alternativen zum Auto zu schaffen“, fordern die Grünen, „Verkehrspolitik nicht durch die Windschutzscheibe zu betreiben, sondern Mobilität ganzheitlich zu denken.“ Dazu gehöre neben einem Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs und des Radwegenetzes auch mehr Homeoffice.

Erneut Konfrontation am Bohrloch

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ist es am Mittwoch zu einem Konflikt zwischen den vom Landesbetrieb Straßen NRW beauftragten Unternehmen und Grundeigentümern gekommen, die gegen die B 64n zu Felde ziehen. In Neuwarendorf waren Mitarbeiter einer Firma aus Beckum vorgefahren, die mit Probebohrungen zur Bodenbestimmung im Zuge des Planungsverfahrens beginnen wollten. Ihnen stellten sich Grundeigentümer entgegen, die mit ihren Treckern vorgefahren waren.

Es kam zu einer Konfrontation, bei der auch die Polizei vor Ort war, wie die Bürgerinitiative Verkehrskonzept Warendorf (BVW) am Nachmittag mitteilte. Dabei ging es auch um die rechtliche Bedeutung der „Duldungsverfügungen“, die Straßen NRW den Betretungsverboten entgegensetzt. Nach Auskunft der BVW rückten die Gutachter danach erneut unverrichteter Dinge ab. Man erwarte jetzt eine Reaktion von Straßen NRW.

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