B64n: Vier Fraktionen für Planungsstopp
Einen Planungsstopp für den dreistreifigen, kreuzungsfreien Ausbau einer Südumgehung Warendorf im Zuge der B64n fordern gleich vier Fraktionen des Warendorfer Rates in einem gemeinsamen Antrag.

Die Fraktionen, die seit der Kommunalwahl vom 13. September im Rat eine deutliche Mehrheit haben, positionieren sich damit gegen den aus ihrer Sicht „überdimensionierten Neubau der B64n“. Bürgermeister Peter Horstmann, der sich in seinem Wahlkampf ebenfalls gegen die B64n-Pläne in der bisherigen Form ausgesprochen hatte, soll durch den Rat aufgefordert werden, „den Beschluss gegenüber anderen politischen Organen zu vertreten“.

„Lange nicht mehr zeitgemäß“

In der Begründung heißt es, dass „die Planung der B64n schon lange nicht mehr zeitgemäß“ sei, und sie und gehe „an den Bedürfnissen der Menschen für eine klimagerechte Mobilität absolut vorbei“. Die vom Landesbetrieb Straßen NRW vorgestellten Pläne machten eine Überdimensionierung deutlich. 

Dies sei „keine Umgehungsstraße im eigentlichen Sinne“. Sie solle in erster Linie der Verbindung der Oberzentren Münster und Bielefeld dienen und werde daher vorrangig für den überörtlichen Verkehr geplant und nicht zur Entlastung, der an der Trasse liegenden Orte. 

Verkehr würde durch B64n zunehmen

Nach aktuell vorliegenden Prognosen des Bundesverkehrswegeplans (BVWP) 2030 würde für Warendorf der Bau der Straße zu einer Verdoppelung des Pkw- und Lkw-Aufkommens führen. Verglichen mit den letzten offiziellen Verkehrszählungen aus 2015 würde der Pkw-Verkehr sogar um das 2,5-fache und der Lkw-Verkehr um das Vierfache stärker werden.

Dagegen würde für die Anlieger entlang der Ortsdurchfahrt Warendorf nur eine geringe Entlastung erreicht. Dem stehe „eine großräumige Verlärmung der Landschaft und auf Stadtgebiet vor allem der südlichen Wohnviertel“ gegenüber. Bei den Planungen werde ignoriert, dass sich das Verkehrsaufkommen auf der jetzigen B64 zuletzt deutlich verringert habe. Seit dem Jahr 2000 habe die Verkehrsbelastung in der Ortsdurchfahrt der B64 um bis zu zehn Prozent (Pkw) und bis zu 25 Prozent (Lkw) abgenommen. Auch auf den Nebenstrecken zur B64 sei der Verkehr rückläufig. 

Zeitersparnis geringfügig

Der mit dem Bau der B64n prognostizierten „vergleichsweise geringfügigen Zeitersparnis für die Verbindung der Oberzentren stehen große Schäden an Natur und Umwelt gegenüber“, heißt es in dem Fraktionsantrag. Infolge der hohen Verkehrszunahme als Folge des Baus der B64n werde in der Region würde der jährliche CO2-Ausstoß erheblich steigen _ „in Zeiten des Klimawandels ein fatales Ergebnis“, so die Begründung. Hinzu käme die Rodung eines wertvollen Baumbestands von mehr als 1000 großen Bäumen, die als CO2-Speicher vernichtet würden.

 Der immense Flächenverbrauch sei nicht hinnehmbar. Der BVWP 2030 berechne allein für den B64n-Teilabschnitt Warendorf 106 Hektar Flächenverbrauch, hinzu kämen weitere Flächen für das noch zu entwickelnde, untergeordnete Wegenetz. „Laut Gutachter müssen für das Gesamtprojekt B64n mehr als 500 Hektar Flächenverbrauch angesetzt werden – ein immenser Verlust für unsere Region und eine Existenzbedrohung vieler bedeutender landwirtschaftlicher Betriebe“, heißt es in der Stellungnahme.

Stattdessen Bus, Bahn und Rad stärken

Ziel müsse stattdessen „eine zukunftsorientierte Verkehrspolitik sein, die Alternativen (Bus und Bahn, Fahrradverkehr) stärke, betonen sie Fraktionssprecher Andrea Kleene-Erke (SPD), Jessica Wessels (Grüne), André Wenning (FWG) und Selmar Ibrahimovic (Die Linke/Die Partei).

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