Bäcker und Fleischer im Strukturwandel
Die Probleme, mit denen Bäcker und Fleischer zu kämpfen haben, sind vielschichtig.

Viel offensichtlicher können die Schwierigkeiten, mit denen kleine Fachbetriebe zu kämpfen haben, kaum zutage treten. Erst kürzlich hat Peter Steltenkamp seinen Traditionsbetrieb geschlossen. In der Backbranche sieht es kaum rosiger aus: Am 31. Oktober wird die Bäckerei Ehrenbrink die Pforten der Niederlassung an der Münsterstraße (ehemals Stanlein) schließen. Das Geschäft an der Dreibrückenstraße werde entgegen anderslautender Gerüchte weitergeführt, betonte Markus Ehrenbrink gegenüber der „Glocke“.

Den Rest bekommt der Hund

Den Niedergang der Betriebe allein auf die Billigkonkurrenz zurückzuführen, wäre zu kurz gedacht, wenngleich sie auch den größten Anteil an dem Dilemma trägt. Die Probleme, mit denen Bäcker und Fleischer zu kämpfen haben, sind vielschichtig. Die Wegwerfgesellschaft kauft Lebensmittel, um einen Teil davon im Müll zu entsorgen. Statt der drei Scheiben Wurst vom Metzger liegt die günstigere Großpackung vom Discounter im Kühlschrank. Was übrig ist, bekommt der Hund.

Brötchen und Grillfleisch  von der Tankstelle

Statt der handgearbeiteten Brötchen vom Bäcker gibt es am Sonntagmorgen die Aufgebackenen von der Tankstelle. Weder der Bäcker noch der Fleischer kommt gegen „Geiz ist geil“-Mentalität, vor allen Dingen aber kaum noch gegen die Bequemlichkeit der Kunden an. Der Metzger kann es sich nicht leisten, für eine Handvoll Bratwürstchen seinen Betrieb in bester Innenstadtlage am Samstagabend zu öffnen – der Mineralölhändler beispielsweise schon. Er verdient ohnehin schon kaum noch etwas am Kraftstoff, und was ihm fehlt, das holt er mit Brötchen, Grillgut und anderem Zeug mehr wieder rein. Kann man ihm deswegen einen Vorwurf machen? Wohl kaum.

Ketten arbeiteten mit Mischkalkulationen

„Wenn sich der Endverbraucher nicht besinnt, geht das Sterben weiter“, sagt einer, der es wissen muss: Ralf Swonke, Obermeister der Fleischerinnung Warendorf. Mit Preisen wie solchen von Verbrauchermärkten oder gar Discountern könne an nicht konkurrieren. Die Ketten arbeiteten mit Mischkalkulationen. Will heißen: Was Aldi, Lidl, Penny und Co. bei der günstigen Bratwurst obendrauf legen, holen sie beim aktuellen Tablet-PC wieder rein.

Swonke und Kollegen indes müssen zur Führung einer Fleischerei einen Meistertitel haben, sie bilden aus, sie haben zumeist den Anspruch, ihre Mitarbeiter anständig zu bezahlen, müssen Steuern, Energiekosten und anderes bezahlen, manchmal auch Pacht. Das muss der Verbrauchermarkt auch, nur kauft er in ganz anderen Dimensionen ein und setzt die Produkte auch wieder ab.

Mehr zum Thema finden Sie in der Warendorfer Samstagsausgabe.

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