Bädergutachten praktisch nicht umsetzbar
Bild: Baumjohann
Halten das Lehrschwimmbad für unverzichtbar: (v. l.) Dieter Mevert von „Pro Bad“ und Martin Riemann von der DRK-Wasserwacht.
Bild: Baumjohann

Und mehr noch: Geht es nach den Gruppierungen, die am Freitag zu Wort kamen, könnte das Bad zukünftig auch an fünf Tagen in der Woche geöffnet sein statt wie bisher an drei Wochentagen. Die zusätzlichen Nutzungszeiten ließen sich füllen, die Rheuma-Liga meldete durch Gaby Hollmann ebenso Bedarf an wie Sporttherapeutin Christina Nüßing („Gesund durch Sport“).

Dass sich das unlängst erstellte Bädergutachten auch in der Praxis umsetzen lasse, bezweifelten am Freitag viele Redner. „Wir sind als Gruppe wie Nummern behandelt und hin- und hergeschoben worden“, beklagte Dieter Mevert als Vorsitzender von „Pro Bad“. Er glaube nicht, dass das Kursusangebot des Vereins parallel mit öffentlichem Schwimmen durchführbar sei. Gleiches gelte auch für das Schwimmangebot der Freckenhorster Werkstätten. „Wir brauchen einen kleinen, überschaubaren Rahmen“, sagte Georg Niet. Und nicht zuletzt auch die DRK-Wasserwacht, die das Bad mit 350 Mitgliedern und rund 40 ehrenamtlichen Ausbildern und Ausbildungshelfern nutzt, braucht es dringend: „Ich kann mir in keiner Weise vorstellen, wie wir unsere Arbeit an anderer Stelle umsetzen können“, so Vorsitzender Martin Riemann.

„Kinder, die schon schwimmen können, kommen auch in der Schule besser klar“, würdigte Grundschul-Rektor Albrecht Haffner das Engagement der Wasserwacht. Die Koordinationsfähigkeit helfe beim Rechnen und Lesen, zeigte sich der Pädagoge überzeugt: „Wir brauchen schwimmende Kinder, denn schwimmende Kinder sind fitte Kinder.“ Das, aber nicht zuletzt auch der gut funktionierende Schwimmunterricht aller Grundschüler in den Klassen zwei und drei müsse es den Entscheidern doch wert sein, das Bad zu erhalten, appellierte er.

Ob die im Bädergutachten genannte Alternative Bundeswehr-Bad dauerhaft zur Verfügung steht, bezweifelte am Freitag nicht nur Wolfgang Schellhammer: „Das ist eine Kann-Möglichkeit. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn die Bahnen zukünftig durch Schwimm-Leistungssport belegt sind“, sagte der Sportlehrer, der 35 Jahre im Dienst der Sportschule stand.

Und wie sieht es mit den Kosten aus? Aktuell sei das Lehrschwimmbad dank des großen ehrenamtlichen Einsatzes das günstigste der drei öffentlichen Bäder der Stadt (4,66 Euro Kosten je Besucher, im Freibad sind es 5,33 Euro, im Hallenbad 7,15 Euro), erläuterte Dr. Erich Tertilt. Rund zwei Millionen Euro würde die Sanierung des Lehrschwimmbads kosten. Zur Finanzierung schlug der SPD-Ratsherr ein Konzept vor, das auch bei der Sanierung des Freibads und des Hallenbads angewandt worden war. Eine Million Euro der Sanierungskosten könnten die Stadtwerke als Besitzer des Bads übernehmen. Zusammen mit 500 000 Euro aus allgemeinen Haushaltsmitteln, 200 000 Euro aus der Sportpauschale und 300 000 Euro aus Schulbaumitteln sei die Summe komplett, schilderte Tertilt seine „Finanzierungsidee“ – eine Idee, die der Vize-Bürgermeister gern auch auf einer von der Stadt initiierten Bürgerversammlung diskutieren würde. Die Einladung zu einer solchen Veranstaltung erwarte er, bevor politisch eine Entscheidung getroffen werde.

SOCIAL BOOKMARKS