Belastete Straßennamen bleiben bestehen
Bild: Wild
Der Straßenname Agnes-Miegel-Weg bleibt bestehen. Die Grünen scheiterten mit einem Antrag im Kulturausschuss knapp, wegen mangelnder Distanzierung der ostpreußischen Dichterin zum nationalsozialistischen Regime die Ehrung zurückzunehmen.
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Als Alternativen für die ostpreußische Dichterin hatten die Antragsteller die honorigen Persönlichkeiten Hans Sahl (Schriftsteller) und Marion Gräfin Dönhoff (Ostpreußin, Herausgeberein der „Zeit“) ins Gespräch gebracht, anstelle des reitenden Olympiasiegers in Uniform eines SA-Obersturmbannführers sollte die Deutsche Reiterliche Vereinigung, die ihre Zentrale an der nach dem Freiherrn benannten Straße hat, eine „unbescholtene Persönlichkeit des deutschen Pferdesports“ benennen. Die durch die Straßenumbenennung entstehenden Kosten, auch für erläuternde Zusatzschilder, sollte die Stadt übernehmen.

Engagierte Diskussion im Ausschuss

Bevor die Anträge mit denkbar knappem Ergebnis abgeschmettert wurden, gab es eine leidenschaftliche Diskussion. Klaus Aßhoff (Grüne) verwies auf die Fachanalyse einer Historikerkommission im Auftrag des Landschaftsverbands, die Miegel als NS-nah eingestuft hatte. Aßhoff: „Sie hat mitgemacht, hat sich hinterher nie entschuldigt. Da gibt es nichts zu verharmlosen, beschönigen und relativieren.“ Es sei ein „politisches Versagen“ früherer Lokalpolitiker gewesen, dass noch 1983 die Straße nach Agnes Miegel benannt wurde. Auch Mathilde Thüß (SPD) glaubt nicht, dass die Vorsitzende eines Schriftstellerverbands, aus dem oppositionelle Autoren eliminiert wurden, nur eine naive Mitläuferin war.

Andrea Blacha (CDU) hielt dagegen, die Straßenbenennung habe der ostpreußischen Dichterin mit engem Bezug zu Warendorf und den dort nach dem Krieg lebenden Vertriebenen gegolten. Die „drei Gedichte, die sie als Auftragsarbeiten für Hitler geschrieben“ habe, müsse man im Zusammenhang mit den Umständen sehen. „Es ist schwierig, aus unserer heutigen Sicht Menschen für das zu verurteilen, was sie damals getan haben.“ Wie Blacha fand auch Günter Belt (FDP), dass es den Anliegern nicht zuzumuten sei, den über mehr als eine Generation lang eingebürgerten Straßennamen zu ändern.

Gegen eine Umbenennung sprach sich im Namen der Nachbarn auch Birgit Pawlowski aus. Niemand sei damals froh gewesen, als das ursprüngliche Teilstück des „Hallawegs“ plötzlich nach Agnes Miegel benannt wurde. Aber nach 35 Jahren habe man sich damit arrangiert. Gegen ein erläuterndes Zusatzschild hätten die Anlieger indes nichts.

Laut Beschlusslage aber ist das vom Tisch – sowohl Miegel als auch von Langen bleiben in Warendorf unkommentierte Personen der Zeitgeschichte.

Lesen Sie dazu auch einen Kommentar in der Warendorfer Ausgabe der „Glocke“ vom 23. November.

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