Bilanz zu „Kein Kind zurücklassen“
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NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) nimmt an diesem Donnerstag in Düsseldorf Stellung zum Verlauf des Projekts „Kein Kind zurücklassen“. Das Bild zeigt die Regierungschefin am 1. Juli 2015 beim Besuch im Freizeit-, Sport-, Kultur- und Bildungszentrum Z4 in Düsseldorf.
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Seit 2012 haben 18 Modellkommunen - darunter der Kreis Warendorf - vor allem für Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen und benachteiligten Familien Präventionsketten von der Geburt bis zum Eintritt ins Berufsleben auf- oder ausgebaut. Die Jungen und Mädchen sollen von den koordinierten frühen Hilfen profitieren. Kitas, Schulen, Ärzte, Hebammen, Trainer, Jugendämter, Polizei arbeiten enger zusammen. Nach dem Grundsatz „vorbeugen ist besser als heilen“ geht es darum, spätere, aufwendige Interventionen zu vermeiden.

Vor gut einem Jahr hatten sich erste Teilnehmer unter den 15 Städten und drei Landkreisen positiv geäußert. Aus Westfalen beteiligen sich außer dem Kreis Warendorf noch Arnsberg, Bielefeld, Dortmund, Gelsenkirchen, Gladbeck, Hamm, Münster, Witten sowie der Kreis Unna an dem Modellprojekt.

Allerdings sind Experten mehr als drei Jahre nach dem Start des Vorzeigeprojekts skeptisch. Nach einer Begleitstudie der Bertelsmann-Stiftung, aus der die „Rheinische Post“ (RP) zitiert, finden sie kaum Belege dafür, dass sich eine solche vorbeugende Politik rechnet. „Land und Kommunen werden weiter daran arbeiten müssen, um Prävention nicht im Blindflug zu betreiben“, lautet ein Fazit der Studie. Es gebe demnach in einzelnen Städten vielversprechende Ansätze.

Im Bericht heißt es jedoch auch: „Der Nachweis fiskalischer Effekte präventiver Maßnahmen ist ausgesprochen komplex.“ Externe Faktoren wie demografischer Wandel oder Zuwanderung machten es schwer, die Effekte dieser vorbeugenden Politik nachzuweisen, zitiert die RP weiter.

Weniger junge Menschen ohne Schulabschluss

Geschilderte Beispiele: Die Jugendhilfe komme in die Familien und informiere über Vorsorge-Untersuchungen oder Sprachschulungen. Kitas und Schulen achteten besonders auf Defizite der Kinder. Mehr Kinder seien von der Grundschule aufs Gymnasium gewechselt. Weniger junge Leute verließen die Hauptschule ohne Abschluss.

Auf die erste, nun abgeschlossene vierjährige Phase folgt nach bisheriger Planung eine Fortsetzung bis 2020 auf breiterer Basis. Auch dazu wird sich Kraft voraussichtlich äußern. Angesichts wachsender Kinderarmut in NRW gibt es Kritik und Zweifel an dem Programm, das im rot-grünen Koalitionsvertrag festgeschrieben ist. Kinder sollen „die gleichen Chancen für ein gelingendes Aufwachsen“ bekommen, heißt es dort. Die Armutsbekämpfung habe „einen besonderen Stellenwert“.

CDU und FDP sprechen von Scheitern

Der CDU-Landesvorsitzende Armin Laschet kritisierte, heute würden mehr Kinder zurückgelassen als beim rot-grünen Regierungsantritt 2010. „Modellprojekte in einzelnen Städten sind das eine, aber wir brauchen eine Politik, die allen Kindern in allen Regionen des Landes hilft“, sagte er. Es sei „auch im Hinblick auf die Bekämpfung von Armut dramatisch“, dass NRW mit Nullwachstum bundesweit das Schlusslicht bei der Wirtschaftsentwicklung bilde.

Auch FDP-Chef Christian Lindner sprach von einem Scheitern der vorsorgenden Sozialpolitik. Rot-Grün habe Zukunftsinvestitionen versäumt. Die Qualität der Bildung und eine angemessene Kita-Finanzierung seien auf der Strecke geblieben, ebenso wie Verbesserungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um Arbeitsplätze zu schaffen.

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