Binden der Kräutersträuße hat Tradition
Foto: Baumjohann
Zu Sträußchen haben Beate Schlüter, Ingrid Hagenhoff und Monika Kusar (v. l.) Kräuter im Pfarrheim gebunden.
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Vielleicht hat Apostel Thomas damals Ähnliches gerochen, als er sich von der verstorbenen Gottesmutter verabschieden wollte, im Grab aber nur die Tücher, in die Marias Körper gehüllt worden war und einen Duft von Blumen und Kräutern vorfand. 

So jedenfalls heißt es in der Überlieferung des Kirchenvaters Johannes von Damaskus, die wahrscheinlich Grundlage des volkstümlichen Brauchs des Bindens von Kräutersträußen ist, der seit dem 9. Jahrhundert belegt ist. Rund 1200 Jahre später existiert der Brauch immer noch. So trafen sich am Dienstag im Pfarrheim von St. Lambertus Frauen, die aus mitgebrachten Kräutern viele Sträußchen für die Gemeinschaftsmesse banden, die die KFD St. Lambertus am  Donnerstag ab 18.30 Uhr in der Kirche feiern will. 

Im Gottesdienst zu Maria Himmelfahrt werden die Kräutersträuße traditionell gesegnet und finden dann einen Platz in den Wohnungen vieler Hoetmarer.

 So auch bei Beate Schlüter: „Ich habe den Strauß vom vorigen Jahr noch liegen“, sagt sie. „Die Kräuter habe ich alle zu Fuß rund um Hoetmar gefunden“, sagte Monika Kusar. Kamille und Schafgarbe, Wermut und Katzenminze, Johanniskraut und Salbei hatte sie mit ins Pfarrheim gebracht. „Das Binden der Kräutersträuße hat eine Bedeutung“, ist die Hoetmarerin überzeugt. „Die Kräuter sollen den Menschen helfen.“ Dieses Wissen dürfe nicht verlorengehen, wünscht sie sich, dass sich auch jüngere Menschen für das Sammeln der Kräuter und das Binden der Kräutersträuße begeistern ließen. Wilde Möhre, Goldrute, Wasserdost, Mädesüß und Ackerschachtelhalm hatte Adelheid Vollmann mitgebracht – einen ganzen Fahrradanhänger voll.

 Die Sonnenblumen stammten aus dem eigenen Garten, erzählte sie, andere Kräuter habe sie an der alten Ahlener Straße gefunden. So hatten die Frauen genug Material, um zahlreiche Sträuße für die Messe binden zu können. 

Wie viele Kräuter pro Strauß Verwendung finden sollten? Dazu gibt es verschiedene Meinungen. Mindestens sieben sollen es sein – ein Kraut für jeden Schöpfungstag. Es können aber auch neun (dreimal die heilige Dreifaltigkeit), zwölf (Anzahl der Apostel), 14 (Zahl der Nothelfer) oder 24 (für die zwölf Stämme Israels und die zwölf Apostel Christi) sein. So bleibt genug Raum für die eigene Kreativität bei der Herstellung der Sträuße.

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