Blutige Eifersucht: „Der hat‘s verdient“
Vor etwa sechs Monaten hat ein 33-jähriger Mann aus Warendorf in Münster seinen Nebenbuhler niedergestochen. Seit Dienstag steht er vor Gericht. Die Anklage: versuchter Totschlag.

Es passierte am Abend des 9. Juli, direkt hinter dem Hauptbahnhof. Der 33-jährige Staplerfahrer griff zum Messer, stach seinem bereits am Boden liegenden Opfer direkt in die Brust. Die Klinge bohrte sich bis in die Lunge. „In diesem Moment habe ich gedacht, es ist vorbei, jetzt bin ich tot“, sagte der damals Schwerverletzte am Dienstag im Zeugenstand. Viel hätte tatsächlich nicht gefehlt. Das Leben des 37-Jährigen konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. Die Angst ist bis heute geblieben. „Ich bin fertig“, sagte er den Richtern. „Ich warte auf eine Trauma-Therapie.“

Der 37-Jährige hatte wegen Drogengeschäften über zwei Jahre im Gefängnis gesessen. Als die Bluttat passierte, war er gerade erst wieder zwei Wochen auf freiem Fuß. Er hatte eine alte Freundin in Münster besucht. Dann nahm das Drama seinen Lauf. Der angeklagte Warendorfer war offenbar eifersüchtig und sauer, bei einer ersten Schlägerei aber noch deutlich unterlegen.

Am Tattag hatte er dann jedoch seinen ebenfalls angeklagten Bruder dabei. Der 26-Jährige schlug den Ex-Häftling zu Boden, dann folgte der Messerangriff. Schläge, Tritte, Stiche – das Opfer hatte keine Chance. Den beiden Angeklagten war noch die Flucht gelungen, die Festnahme erfolgte erst am nächsten Tag. Die Tatwaffe ist bis heute verschwunden.

Reue hat der 33-jährige Warendorfer bis heute nicht gezeigt. Im Gegenteil. Einem Polizisten soll er wörtlich gesagt haben: „Der hat das auch verdient. Ich stehe dazu.“ Zum Prozessauftakt gestern vor dem Schwurgericht in Münster haben die beiden Angeklagten weitgehende Geständnisse abgelegt, die Bluttat dabei aber eher als eine aus dem Ruder gelaufene Schlägerei geschildert. „Ich wollte ihn nur verletzten, nicht töten“, sagte der 33-Jährige vor dem Gericht.

Genau das sieht die Staatsanwaltschaft jedoch anders. Sie glaubt, dass dem Warendorfer damals alles egal war. Es sind noch drei weitere Verhandlungstermine zur Beweisaufnahme vorgesehen. Mit den Urteilen ist voraussichtlich erst Anfang Februar zu rechnen.

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