Bürger fordern vom Kreis eine Sanierung
Bild: Sulz
Zahlreiche Bürger waren am Montagabend zur Versammlung im Emshof gekommen, um sich über die Verseuchung ihres Grundwassers zu informieren.
Bild: Sulz

Am Montagabend hatte ein lockerer Zusammenschluss aus etwa 15 betroffenen Familien zu einer Bürgerversammlung in den Emshof eingeladen. Dass das Thema nicht nur für sie von enormer Relevanz ist, machte die starke Resonanz deutlich. Der Saal platzte aus allen Nähten. Betroffene Bürger, aber auch Mitglieder des Stadtrats sowie des Kreistags waren gekommen, um Informationen über den aktuellen Stand zu erhalten sowie über ein weiteres Vorgehen zu diskutieren. „Die Situation stagniert“, berichtete Mohammad Abuosba, der den Abend moderierte. „Der Kreis ist nicht bereit, zu sanieren.“ Genau in diesem Punkt liegt die Ursache für die Empörung der Betroffenen.

Doch bevor es zur offenen Diskussion kam, bot Rainer Robers den Anwesenden grundlegende Informationen zum aktuellen Wissensstand, den sich die Bürger durch selbstständige Recherche angeeignet haben. So erklärte er, dass die Giftfahne in Richtung Südwesten zieht und bereits im Jahr 2015 die 39 Haushalte im Bereich Hasenkamp und Buschkamp an das öffentliche Wassernetz angeschlossen werden müssen. 2025 werde das gesamte Gebiet betroffen sein. Doch den Bürgern geht es eigenen Aussagen zufolge nicht in erster Linie um den Trinkwasseranschluss, sondern vielmehr um die Sanierung. „Die Fahne wandert im Jahr etwa 30 Meter“, sagt Robers.

Über die nächsten 50 Jahre werde eine Gesamtfläche von etwa 500 000 Quadratmetern verseucht sein, ein Eintritt in die Ems sei nicht auszuschließen. Bei ihrer Recherche bezogen sich die Betroffenen auf die offengelegten Gutachten des Ingenieurbüros Wessling. Mittlerweile ist die Konzentration des krebserregenden Toxikums so hoch, dass Behörden sogar davon abraten, das Grundwasser zur Bewässerung des Grundstücks zu nutzen. Dennoch sei der Kreis nicht bereit, eine aktive Sanierung vorzunehmen. Der Schaden sei zu klein, die Kosten zu hoch, so die Begründung der Verantwortlichen.

Derzeit werden die Kosten auf etwa 250 000 Euro geschätzt. „Das dürfen wir nicht hinnehmen“, protestierte Abuosba. „Unsere Kinder und sogar unsere Enkel werden noch betroffen sein. Da soll eine Viertelmillion Euro zu viel sein?“

Mehr zum Thema lesen Sie in unserer Mittwochsausgabe.

SOCIAL BOOKMARKS