Bürger werden weniger, älter und  bunter
Bild: Wild
Beim Demografieforum im Hotel „Im Engel“ konnten (v. l.) Gastgeber Gerhard Leve, Bürgermeister Jochen Walter, Referent Wolfgang Wähnke, Professor Dr. Jürgen Haritz (Verein „Warendorf plus“) und Werner Lanwehr (Wirtschaftsforum) eine interessierte Zuhörerschaft begrüßen. 
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Eingeladen hatten in das Hotel „Im Engel“ für Dienstagabend der Hausherr und Initiator der „Wirtschaftsgespräche“, Gerhard Leve, sowie die beiden Initiativen „Warendorf plus“ und das „Wirtschaftsforum“. Gekommen zu der Einladungsveranstaltung waren zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, um sich ein Referat von Wolfgang Wähnke, Projekt-Manager des Programms „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann-Stiftung (Gütersloh) anzuhören. Gemeinsames Ziel: Daten, Zahlen, Fakten und Prognosen über den gesellschaftlichen Wandel in den nächsten 20 Jahren zu sammeln und daraus Schlüsse für die notwendigen politischen Weichenstellungen in Warendorf abzuleiten.

Seniorengerechte Infrastruktur

Wähnke hatte dazu allgemeine bundesdeutsche, aber auch ganz spezielle Informationen zu Warendorf und der Region parat. Der soziale und demografische Wandel zeichnet sich demnach durch vier Merkmale aus: Die hier wohnenden Menschen werden weniger (sinkende Geburtenzahlen, weniger junge Menschen), älter (steigende Lebenserwartung und mehr ältere Menschen), individueller (Lebensweise, mehr Singles) und bunter (Wanderungsbewegungen regional und international). Daraus ergeben sich vor allem neue Anforderungen an seniorengerechte Städte.

Die sich verändernde Altersstruktur werde eine steigende Nachfrage nach seniorengerechten Angeboten in den Bereichen Wohnen, Gesundheit, Pflege, Kultur und Mobilität erfordern, sagte Referent Wolfgang Wähnke. Die Ansprüche an das städtische Leben veränderten sich, zum Beispiel mit Blick auf das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs, des barrierearmen Verkehrsraums und der Ampelphasen. Auch der Finanzbedarf für eine seniorengerechte Infrastruktur werde sich vergrößern.

Konsumverhalten ändert sich

Bis 2035 würden sich auch deutliche Verschiebungen im Konsumverhalten ergeben: Es werde bis zu 40 Prozent mehr für Pflege und Gesundheit, aber auch für Reisen und Tourismus, für Einrichtung der Wohnung sowie für Wellness ausgegeben. Weniger Nachfrage werde es in den Bereichen Mobilität, Bekleidung und Nahrungsmittel / Getränke geben. Aus dem hohen prognostizierten Bevölkerungsrückgang in Warendorf (minus sieben Prozent) und der Tatsache, dass zwei Drittel der Bürger in Ein- und Zweifamilienhäusern wohnen, lassen sich laut Wähnke klare Handlungsanforderungen für diese Stadt ableiten: „Was passiert mit allein lebenden Hochaltrigen in ihren viel zu großen Häusern? Wer kümmert sich um sie, wenn ihre Kinder weggezogen sind?“ Der Bertelsmann-Experte schließt erhebliche Auswirkungen auf den Immobilienmarkt (Leerstand, Preisverfall) nicht aus

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