Caritas: Keine Corona-Triage im Altenheim
Archivfoto: Baumjohann
Karl-Eugen Weweler, Leiter des Malteser Marienheims – hier bei der Entgegennahme von Bildern, die Kinder für Bewohner der Einrichtung gemalt hatten – zeigt sich empört über Vorwürfe, die am Dienstag im ARD-Magazin „Fakt“ erhoben wurden.
Archivfoto: Baumjohann

Bei „Fakt“ hatte es unter dem Strich geheißen, Bewohner würden dazu gedrängt, bei einer Corona-Infektion auf eine Behandlung im Krankenhaus zu verzichten, um keine Intensivplätze für Jüngere zu belegen. „Das können wir für die 205 Altenheime der Caritas in der Diözese Münster ausschließen“, erklärt Dr. Christian Schmitt, Vorsitzender des Diözesancaritasverbandes Münster.

Patientenverfügung ist Usus

Was sich Bewohner wünschen für ihre letzte Lebensphase und für den Fall einer schweren Erkrankung, werde in der Regel sogar mehrfach thematisiert und abgefragt, so Schmitt. Viele Bewohner hätten nach der ersten Coronawelle darüber nachgedacht und sich dazu geäußert.

Unabhängig vom eigenen Interesse der Mitarbeiter in den Einrichtungen sei die „gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase“ gesetzlich vorgegeben, erklärt Nicole Rusche, die im Diözesancaritasverband dazu in einem Projekt Berater geschult und diese Vorgabe in den Altenheimen umgesetzt hat. Aus Gesprächen könne eine Patientenverfügung entstehen, so Schmitt: „Und diese geäußerte Selbstbestimmung ist jederzeit änderbar.“

Weweler: „An Haaren herbeigezogen“

Tatsächlich bringen viele alte Menschen beim Einzug in eine Pflegeeinrichtung die Patientenverfügung bereits mit. Im Marienheim in Warendorf spricht Heimleiter Karl-Eugen Weweler von 80 Prozent. Ihn habe es erschüttert, in welches Licht „wir in der Altenpflege gerückt werden“, sagt Weweler: „Das ist mehr als an den Haaren herbeigezogen.“

Im Marienheim habe es mehrere Corona-Infektionen gegeben, und einige der Bewohner seien im Krankenhaus behandelt worden, wenn die Versorgung im Haus nicht mehr möglich gewesen sei. „Von einer Behandlung abzuraten, ist nie ein Diskussionsthema gewesen“, stellt Weweler klar.

Bewohner entscheiden selbst

Ganz unabhängig von Corona werde in besonderen Erkrankungssituationen mit Medizinern, Angehörigen und den Pflegenden überlegt, was unternommen werden solle, erklärt Weweler. Soweit Bewohner sich selbst noch äußern könnten, liege die letzte Entscheidung immer bei ihnen. Weweler: „Ihre Entscheidung ist unser höchstes Gut.“

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