Clara hat es eilig: Geburtshilfe per Telefon
Eine nicht alltägliche Geburt haben der gebürtige Warendorfer Stephan Zurfähr sowie Töchterchen Clara und Ehefrau Anna in der Nacht zu Mittwoch in ihrer Wohnung in Gremmendorf erlebt

Der Säugling hatte es recht eilig, das Licht der Welt zu erblicken: völlig unerwartet zuhause und zweieinhalb Wochen vor dem errechneten Geburtstermin am 15. März.

Nicht alltägliche Situation

Stephan Zurfähr, der gebürtig aus Warendorf stammt und nach Beendigung seines Studiums mit seiner Familie im Münsteraner Stadtteil Gremmendorf wohnt, ist überglücklich, dass er und seine Ehefrau Anna die nicht alltägliche Situation gemeistert haben und das Neugeborene wohl auf ist.

Zumal das Ehepaar bei der eigentlichen Geburt mehr oder minder auf sich allein gestellt war – allerdings mit tatkräftiger Unterstützung am Telefon durch einen Mitarbeiter der Leitstelle der Feuerwehr Münster. „Der hat uns professionell begleitet und sehr beruhigend auf uns eingewirkt“, lobt Zurfähr die einfühlsame Art des Helfers.

Keine Vorahnung

Dass die Geburt ihrer Tochter Clara so unmittelbar bevorstand, damit hatten Stephan und Anna Zurfähr am Dienstag in keiner Weise gerechnet. „Am Nachmittag war unsere Hebamme bei uns zuhause“, erinnert sich der 37-jährige Verwaltungsbeamte.

Sie habe ein CTG geschrieben und bei der kompletten Untersuchung keine Auffälligkeiten festgestellt. Also auch keine Wehentätigkeit. Vorsorglich habe die Hebamme beim Verlassen des Hauses aber angedeutet, dass in den kommenden Tagen schon mal Senkwehen auftreten könnten.

Ultraschnelle Veränderung

Aus diesem Grund seien auch die Vorbereitungen für den Kindergeburtstag von Irma am Mittwoch ganz normal weitergelaufen, berichtet der stolze Vater. Aber nur wenige Stunden später habe sich alles ultraschnell verändert. Kurz nach Mitternacht – „so gegen ein Uhr“ – sei seine Frau aufgewacht, schildert Stephan Zurfähr den weiteren Verlauf.

Glücklich und zufrieden: Die kleine Clara hat es besonders eilig gehabt, um das Licht der Welt zu erblicken.
Zu diesem Zeitpunkt habe seine Frau schon vermutet, dass es richtige Wehen seien. Zur Sicherheit hatte sie sich eine Wehen-App heruntergeladen und schnell festgestellt: „Die kommen schon recht regelmäßig und in immer kürzeren Abständen.“

Um 1.39 Uhr geweckt

„Um 1.39 Uhr hat sie mich geweckt“, weiß Stephan Zurfähr ziemlich genau den Zeitpunkt zu bestimmen, an dem es richtig losging. Zumal er sofort seine Eltern in Warendorf angerufen habe, damit diese sich um Irma kümmern. Danach benachrichtigte er das Krankenhaus, „damit die wissen, wir kommen gleich“.

„Doch dann haben sich die Ereignisse überschlagen“, blickt Stephan Zurfähr zurück. Seine Frau habe ganz intensive Wehen bekommen, so dass es mit der Autofahrt zum Krankenhaus wohl sehr eng geworden wäre.

Fruchtblase geplatzt

Um 1.50 Uhr habe er nach erneuter Absprache mit dem Krankenhaus die 112 gewählt, „damit ein RTW und ein Notarzt kommen“. „Vier Minuten später habe ich noch mal die Rettungsnummer angerufen, weil da schon die Fruchtblase geplatzt war und Presswehen einsetzten“, schildert er die sich zuspitzende Lage.

Zu diesem Zeitpunkt sei auch die kleine Irma aufgewacht und zu ihnen gekommen. „Nur vom RTW und Notarzt war noch nichts zu sehen.“

Rettungssanitäter am Telefon

„Gott sei Dank war der Rettungssanitäter am Telefon“, ergänzt Zurfähr. „Der hat recht schnell gemerkt, dass es ernst war“, zumal die lauten Presswehen nicht zu überhören gewesen seien. „Stellen Sie sich darauf ein, dass Ihr Kind jetzt und zuhause kommt“, habe ihm der Helfer gesagt, so Zurfähr.

Zwar habe sich die werdende Mutter noch an Atemübungen erinnert und versucht, den Vorgang etwas hinauszuzögern. „Doch der Druck war so groß, dass unsere Tochter zur Welt kam. Plötzlich hatte ich sie im Handtuch liegen.“

Geburtstermin

2.10 Uhr habe der kurze Zeit später eintreffende Notarzt als Geburtstermin vermerkt, sagt Zurfähr. Ob es zwei oder drei Minuten früher gewesen seien, könne er nicht mehr sagen. Alles sei irgendwie wie in Trance abgelaufen.

Danach habe der RTW seine Frau und die Kleine ins Krankenhaus transportiert, „um alles zu checken“. Er selbst habe in der Zeit auf seine Eltern gewartet, die die nunmehr älteste Tochter abholen wollten. „Sie hat alles mitbekommen“, sagt Zurfähr. Liebevoll habe Irma ihrer Mutter den Kopf gestreichelt.

Treffen im Familienzimmer

Erleichtert ist Stephan Zurfähr, dass er in der Nacht zum Donnerstag bei seiner Frau und der Kleinen in einem Familienzimmer bleiben durfte. Zuvor habe er sich wegen der Corona-Schutzbestimmungen nur kurz bei seiner Frau aufhalten dürfen.

„Alles ist gut und alle sind wohlauf“, freut sich der frischgebackene Vater. Am heutigen Freitag erwartet er Mutter und Tochter zurück. Erst langsam realisiere er kopfmäßig, was in der Nacht abgelaufen sei, sagt Zurfähr. Wichtig sei: „Es gibt ein Happy End.“

„Das ist verrückt“

Zudem weist er auf eine Besonderheit hin: „In welcher Familie gibt es das schon, dass zwei Töchter an einem Tag Geburtstag haben? Das ist doch verrückt.“

Zur Person

Stephan Zurfähr (37) ist nach wie vor eng verwurzelt mit seiner Geburts- und Heimatstadt Warendorf. Sein Name ist vielen Emsstädtern nicht zuletzt aus dem sportlichen Bereich bekannt. Bereits mit 13 Jahren wurde der begeisterte Fußballfreund Jugendtrainer bei der Warendorfer Sportunion (WSU). Mehr als zehn Jahre lang hat er bis zum Jahr 2008 quasi alle Fußball-Jugendmannschaften der WSU trainiert und so manchen sportlichen Erfolg damit errungen. Später trainierte er höherklassige Fußballmannschaften im Herrenbereich in Münster-Roxel und Gievenbeck.

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