Denkmalschutz für alte Textilfabrik?
Foto: Glocke-Archiv
So wie in dieser Zeichnung von Klaus G. Ring stellt sich der Warendorfer „Arbeitskreis neue Emsinsel“ das Grundstück am Breuelweg / Zwischen den Emsbrücken mit den erhaltenen historischen Gebäuden der Firma Brinkhaus von 1879 und der Wagenhalle mit dem Pförtnerhäuschen von 1950 vor. Der Kern der Industriebaukultur sollte nach Meinung der Antragsteller unter Denkmalschutz gestellt werden.
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Der Heimatverein Warendorf und der Arbeitskreis „Neue Emsinsel“ haben in einem Antrag an Bürgermeister Peter Horstmann ihre Forderung untermauert, die historischen Firmengebäude der ehemaligen Textilfabrik Brinkhaus von 1879 und die Wagenhalle mit dem Pförtnerhäuschen in die Denkmalliste der Stadt Warendorf einzutragen.

Widerspruch zur „Warendorfer Position“

Eine solche Eintragung stünde im Widerspruch zur im Juni 2020 von der vom Rat verabschiedeten „Warendorfer Position“ zur Überplanung der Industriebrache, da Bestandteil dieses Beschlusses ist, die historischen Gebäude zum Großteil nicht zu erhalten, um eine mögliche Neubebauung, die vom privaten Eigentümer der Fläche und potenziellen Investor gewünscht wird, nicht zu sehr einzuschränken.

Wie Mechtild Wolff als Vorsitzende des Heimatvereins sowie Sigfrid Krebse und Alfred Kiel als Sprecher des Arbeitskreises in der Begründung ihres Antrags ausführen, geht es im Kern um die Gebäude, mit denen Hermann Josef Brinkhaus im Jahr 1879 in der stadtnahen Emsaue seine „mechanische Weberei H. Brinkhaus“ gründete. Bis zum Jahr 2011 dauerte die Geschichte der Firma, die über lange Zeit der wichtigste Arbeitgeber in Warendorf war. „Die Firma Brinkhaus hat die Textilstadt Warendorf entscheidend geprägt“, betonen Wolff, Kiel und Krebse.

Sheddach-Hallen als Industrie-Zeugen

Bis heute seien neben vielen neueren Produktionshallen auch die Bürogebäude von 1879 (bisher steht lediglich die Fassade des Bürohauses unter Denkmalschutz) und die Sheddach-Hallen erhalten. Dabei handele es sich um Sheddächer, „die mit viertelkreisförmigen Dachkonstruktionen abschließen und dadurch diesen Hallenräumen ein besonderes Flair verleihen“, liefern die Antragsteller gleich eine denkmalschutztaugliche Argumentation mit. Schließlich seien diese Firmengebäude „die letzten Spuren der für Warendorf wichtigen Textilindustrie und stellen die letzten Zeitzeugen dieser Epoche in Warendorf dar“. Die Fabrikgebäude der anderen Textilfirmen in Warendorf und Freckenhorst seien ausnahmslos abgerissen worden.

Nun bestehe auch bei der Firma Brinkhaus „die Gefahr, dass die historische Bausubstanz abgerissen wird, um einer modernen Verwertung Platz zu machen“. Das wäre aus Sicht der Antragsteller „ein großer Verlust für Warendorf, denn dann wären fast alle Spuren einer wichtigen Epoche in unserer Stadt verloren“.

Auch 1950er-Jahre-Architektur

Neben den historischen Gebäuden von 1879 betrifft der Denkmalschutzantrag auch die Wagenhalle mit dem Pförtnerhaus, 1950 erbaut nach Plänen des Münsterschen Architekten Professor Heinrich Bartmann. Sie sei „als Industriedenkmal ein charakteristisches Gebäude ihrer Zeit von hohem Seltenheitswert und dokumentiert durch ihre ursprüngliche Funktion, ihre gestalterische Qualität, sowie ihren Standort vor der Firma Brinkhaus diesen für Warendorf bedeutendsten Textilindustriestandort in besonderer Weise“.

Mit Ausnahme des denkmalgeschützten Theaters am Wall gebe es in Warendorf kein vergleichbares Gebäude aus den 1950er-Jahren. Ein Abriss dieses Objekts „wäre ein erheblicher Verlust für das städtebauliche Gefüge im nördlichen Eingangsbereich der Altstadt und stünde damit dem Anspruch der Stadt Warendorf als anerkannter Historischer Stadtkern eklatant entgegen“.

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