Der letzte Zug am Kneipentresen
Seit heute darf in Kneipen und Gaststätten in Nordrhein-Westfalen generell nicht mehr geraucht werden.

Während andere Bundesländer ihre Gesetze zum Schutz der Nichtraucher schon vor Jahren durchgebracht haben, war die Regierung hier weitaus weniger konsequent – es gab Ausnahmen, Provisorien, Umbauten, kurzzeitige Umfirmierungen in Raucherclubs und ähnliche Dinge. Zumindest kann keiner sagen, Westfalen und Rheinländer seien nicht kreativ.

Es hilft aber alles nichts: Der blaue Dunst am Kneipentresen ist Geschichte – zumindest vorerst. In der vergangenen Nacht haben Gäste der emsstädtischen Gastronomiebetriebe, in denen noch geraucht werden durfte, ihren letzten Zug an der Zigarette in eben jenen Räumen getan. Die Aschenbecher taugen allenfalls noch für den Biergarten oder als Andenken mit Erinnerungswert. Die wenigen verbliebenen Kippenautomaten dürften alsbald nur noch sehr selten aus dem Dämmerschlaf geweckt werden.

Das Gesetz zum Schutz der Mitarbeiter – manchem Wirt entlockt das ein bitteres Lachen. Wenn man wie Manfred Darup sein eigener Angestellter und zugleich Raucher ist – ebenso wie die Lebenspartnerin –, aber ihm der Gesetzgeber in seinen eigenen Räumen das Rauchen verbietet, fühlt er sich bevormundet wie ein kleines Kind. Etwa die Hälfte seiner Gäste greife beim Bier ebenfalls zur Zigarette, schätzt er. Jetzt könne man nur noch abwarten, wann es die ersten Probleme hinsichtlich der Lärmbelästigung auf der Straße gebe, wenn die Raucher künftig in kleinen Grüppchen vor der Tür ihrem Laster frönen.

Damit auch wirklich der Letzte, möglicherweise von der Berichterstattung in Medien abgeschirmte Raucher, erfährt, dass er in seinem Stammlokal nicht mehr qualmen darf, müssen an den Eingangstüren Schilder mit einem Hinweis auf das Verbot angebracht werden. „Da wiehert der Amtsschimmel in den höchsten Tönen“, heißt es am Dienstag an der Theke.

Ob Darup, Mr. Ed’s, Hutche’s Bar oder das Alte Gasthaus Wiese – um nur einige Kneipen zu nennen, in denen bis Dienstag noch geraucht werden durfte – sie alle werden sich fügen müssen. In der Folge rechnen die Gastronomen mit einer absehbaren Durststrecke, weil der eine oder andere Gast möglicherweise ausbleibt. Um das Gesetz zu ignorieren, dafür sind die Strafen, die das Ordnungsamt Warendorf ankündigt, zu hoch: Bei einem Verstoß muss der Betreiber 125 Euro berappen, der qualmende Gast ist mit 20 Euro Verwarngeld dabei.

Etwa 100 Gaststätten, Hotels und Bars in Warendorf und seinen Ortsteilen hat das Ordnungsamt in der vergangenen Woche angeschrieben und auf das geänderte Nichtraucherschutzgesetz aufmerksam gemacht. „Damit werden die bisherigen Ausnahmen und Sonderregelungen wie für Gaststätten, die kleiner als 75 Quadratmeter sind oder über einen Raucherraum verfügen, endgültig abgeschafft.“ Gleichzeitig kündigt die Behörde umfangreiche Kontrollen im Lauf des Jahres an. Dabei kontrollieren zwei Außendienstmitarbeiter, ob geraucht wird. Mehr noch: Sie vergewissern sich, dass die Hinweisschilder ordnungsgemäß hängen, und schauen nach, ob möglicherweise Aschenbecher auf den Tischen stehen. „Das könnte als Einladung an den Gast verstanden werden, dass dort geraucht werden darf“, sagte am Dienstag Anna Holwitt von der Stadtverwaltung, die dort mit dem Thema betraut ist. In der vergangenen Nacht hat das Ordnungsamt auf Kontrollen verzichtet. „Wir gehen davon aus, dass viele bereits am Abend vor Inkrafttreten das Rauchen einstellen“, so Holwitt am Dienstag zur „Glocke“.

Warendorfs Ordnungsbehörde ist hinsichtlich der Bußgelder human: Die Landesregierung sieht bei Verstößen sogar bis zu 2500 Euro vor. Die tatsächliche Höhe – in Warendorf 125 Euro – liegt allerdings im Ermessen der Ordnungsbehörde.

SOCIAL BOOKMARKS