Diagnose bereitet Hospital keine Sorgen
Bild: Wild
Das Management des Josephs-Hospitals -Verwaltungsleiter Peter Goerdeler, Doris Kaiser vom Vorstand des Stiftungskuratoriums und Ärztlicher Direktor Dr. Timm Schlummer - ist überzeugt von der Zukunftsfähigkeit des Warendorfer Krankenhauses. Die Bertelsmann-Studie habe einerseits den in Warendorf seit Jahren gefahrenen Kurs bestätigt, ziehe andererseits aber nicht nachvollziehbare Schlüsse zur Ausdünung der Krankenhauslandschaft.
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In einem Pressegespräch hat die Führung des Warendorfer Krankenhauses gestern deutlich gemacht, dass sie seit Jahren schon erfolgreich auf dem Weg sei, das Hospital zukunftsfähig im Wettbewerb zu positionieren.

„Studie differenziert betrachten“

Auch in Warendorf hat die Kernaussage der Studie, nämlich dass kleinere Krankenhäuser mit einem breiten Spektrum an Behandlungsangeboten zugunsten größerer Kliniken mit Spezialistenteams geschlossen werden sollen, die Alarmsirenen schrillen lassen. Beim genaueren Hinsehen aber habe man festgestellt, „dass die Studie uns im Grunde auch bestätigt, seit Jahren auf dem richtigen Weg zu sein“, sagt der Vorstandsvorsitzende und Verwaltungschef des Hauses, Peter Goerdeler.

Denn man dürfe nicht nur die medienwirksamen Schlaglichter und Pauschalisierungen sehen, sondern müsse die Studie „differenziert betrachten“. Die geforderte Spezialisierung sei in Warendorf längst Programm. Als eines von 280 bundesweiten Darmkrebszentren, aber auch als Traumazentrum und mit seiner Spezialisierung auf Endoprothetik habe das Josephs-Hospital die in der Studie geforderte zertifizierte Schwerpunktsetzung längst vorgenommen. Und eine Spezialisierung, die vor Ort nicht abgebildet werden könne, werde durch Kooperationspartner sichergestellt, sagte Goerdeler.

Kooperationen lokal und regional

Die gute Zusammenarbeit beschränke sich aber nicht nur auf kooperierende Krankenhäuser, sondern sei auch durch enge Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Medizinern im Ärztenetz Warendorf gewährleistet. Gerade diese Vernetzung zeichne Warendorf aus.

Die größte Schwachstelle der Studie sei aus seiner Sicht, dass die Grundversorgungsfunktion von Krankenhäusern im ländlichen Raum wie Warendorf nicht ausreichend berücksichtigt werde, sagte Geordeler, und das gerade vor dem Hintergrund der immer älter werdenden Bevölkerung. Es sei ein Fehler, Krankenhausstrukturen wie im Großraum Köln / Leverkusen als Maßstab für eine Flächenversorgung in ganz Deutschland zu nehmen. Zentrenbildung dürfe nicht auf Kosten der Versorgung der Menschen auf dem Lande gehen.

„Im Ergebnis viel zu plakativ“

Hintergrund

Die Studie der Bertelsmann-Stiftung zur Krankenhaus-Landschaft gipfelt unter anderem in der Empfehlung, die Zahl der Häuser von jetzt 1400 auf 600 zu reduzieren. Neben Unikliniken und „Maximalversorger“ mit im Schnitt 1300 Betten sieht die Studie nur noch Bedarf für „Versorgungskrankenhäuser“ mit gut 600 Betten. Für das Josephs-Hospital stehen nach Auskunft von Pressesprecher Tobias Dierker 241 Betten im Plan. Damit ist es das zweitgrößte Krankenhaus im Kreis Warendorf. Selbst das Franziskus-Hospital Ahlen liegt zwar mit 307 Betten knapp über der durchschnittlichen Größe von 300 Betten, aber immer noch weit unter der in der Studie empfohlenen Größe.

Dr. Timm Schlummer, Ärztlicher Direktor des Josephs-Hospitals, findet es richtig, dass die Bertelsmann-Studie dem Patientenwohl höchste Priorität einräume. Und auch die Notwendigkeit der Spezialisierung sei richtig diagnostiziert: „Kleine Krankenhäuser können nicht auf jedem Fachgebiet alles leisten.“

 Deshalb habe sich das Josephs-Hospital auch längst spezialisiert. Im Ergebnis sei die Studie aber viel zu plakativ, und die Schlussfolgerung, dass mehr als die Hälfte aller Krankenhäuser überflüssig seien, missachte den Aspekt der wohnortnahen Grundversorgung. Schlummer, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie: „In wesentlichen Inhalten fühlen wir uns nicht als Opfer der Studie, sondern sehen uns sogar bestätigt.“

„Haus im Bestand nicht gefährdet“

Auch Doris Kaiser, Vize-Vorsitzende des Kuratoriums, sieht das Hospital in dem seit Jahren gefahrenen Kurs durchaus bestätigt. Gleichwohl sei in Gesprächen mit Patienten spürbar, dass die Studie zu Verunsicherung geführt habe. Daher stellt die Vize-Bürgermeisterin klar: „Betroffen oder gar im Bestand gefährdet ist unser Haus keinesfalls.“

Einer der nächsten Schritte für die Zukunftssicherung dürfte neben dem 30-Millionen-Euro-Anbau (Bild), der im März 2020 fertiggestellt werden soll, die Einrichtung von Akutbetten für Schlaganfallpatienten („Stroke Unit“) sein. Laut Krankenhausdirektor Peter Goerdeler laufen zurzeit Gespräche, um einen Kooperationspartner zu finden. Spätestens Ende 2020 soll das spezialisierte Angebot in Warendorf installiert sein.

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