Ein Stück Stadtgeschichte verschwindet
Bild: Stempfle
Der Abriss der Stadtschänke hat begonnen.
Bild: Stempfle

Es erinnert an ein überdimensionales Mikado-Spiel, wenn der Bagger die Dachbalken aufeinander stapelt. Immer wieder bleiben Schaulustige stehen, beobachten die Arbeiten und erzählen Geschichten, die mit dem Haus verbunden sind. 

Ein Stück Stadtgeschichte wird in den zwei Tagen verschwinden. Dessen ist sich Reinhold Ahlke sicher. Auch er wohnt in der Lüningerstraße, als Nachbar neben der Stadtschänke. Die hieß nicht immer so, sondern trug den Namen nach dem damaligen Wirt Ortmann. Eine besondere Geschichte verbindet Ahlke mit dem Gasthaus. 1959 lernte er dort seine Frau kennen, die abends die Gäste bediente. Zwei Jahre später heirateten die beiden.

 „Da muss Willi Ortmann ungefähr 35 Jahre alt gewesen sein“, vermutet Ahlke. Wann der ehemalige Wirt, der von seinen Gästen nur Pius gerufen wurde, die Gaststätte übernommen hat, weiß Ahlke nicht mehr. Auch nicht, wann Ortmann den Betrieb aus Altersgründen aufgegeben hat. „Aber das muss Mitter der 80er-Jahre gewesen sein.“

Nicht nur die Nachbarn fühlten sich wohl

Bäckermeister Josef Dreischulte erinnert sich an den Gastronom. „Pius Ortmann war Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr und wir haben so manchen Frühschoppen in seiner Gaststätte gefeiert“, sagt Dreischulte und lacht.  „Seinen Laden hatte Pius gut im Griff. Es war immer sauber – ein feines Geschäft“, sagt Ahlke. Und nicht nur die Nachbarn fühlten sich wohl in der Gaststätte Ortmann, erzählt Dreischulte: Wenn nach der Sonntagspredigt in St. Marien die Gemeinde noch das Abschlusslied anstimmte, war einer schon an der Theke: der damalige Kaplan Winthoffer. „Wenn es um einen Frühschoppen ging, war der einer der schnellsten“, sagt Dreischulte und lacht.

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