Eine Bahnfahrt, die ist lustig...
Bild: Wild
Im Warendorfer Rathaus-Echo haben die fünf Ratsfraktionen Gelegenheit, sich zu aktuellen politischen Fragen zu äußern.
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Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben – So eine Chance habe ich fast täglich, da ich mit dem Zug von Warendorf nach Münster fahre. Und es gibt fürwahr auch für ökologisch eingestellte Menschen viele Gründe, warum man lieber mit dem Auto vor Münster im Stau steht, als dass man sich von der Eurobahn abhängig macht.

Das beginnt damit, dass man am Warendorfer Bahnhof ohne Bahnhofsgebäude steht und sich fragt, ob der Zug überhaupt kommt. Denn ob der Zug kommt, Verspätung hat oder ausfällt, erfährt man meistens erst dann, wenn er nicht pünktlich ankommt.

Die nächste Überraschung ist dann, mit wie vielen Waggons der Zug kommt. In den Ferien reicht ein Waggon aus. Danach kann die Fahrt ab Telgte sehr kuschelig werden. Auf dem Rückweg beginnt dann das gleiche Spiel. Da der Zug in Münster einen längeren Aufenthalt hat, steht er meistens am üblichen Gleis. Wenn nicht, ist es eh zu spät, den Schnellbus, der über Everswinkel und Freckenhorst nach Warendorf fährt, zu erreichen, da dieser zeitgleich mit dem Zug losfährt. Am Bahnhof sind allerdings die Anzeigen ziemlich genau, man weiß also, wie lang die Wartezeit ist.

Steht der Zug am Gleis, stellt sich wieder die Frage, ob ein oder zwei Waggons, bei einem wird es bis Telgte wieder kuschelig. Das nächste Abenteuer erwartet den Passagier dann in Telgte: Ist der Gegenzug dann schon da? Und wenn nicht, wie lange müssen wir auf ihn warten? Das kann schon mal 30 Minuten dauern, fünf bis zehn Minuten sind sehr häufig drin.

Was ich nur am Rande erwähne, ist die Tatsache, dass es häufiger auch mal einen Unfall mit einem Auto gibt, das an einem der vielen unbeschrankten Bahnübergänge es noch vor dem Zug schaffen wollte. Auch dass die Klimaanlage im Sommer nicht immer funktioniert oder im Winter die Heizung, schafft keine Freude.

Selbstverständlich könnte ich jetzt für vieles einfach die Eurobahn verantwortlich machen, weil diese ihren Auftrag nicht ausreichend erfüllt. Das allerdings wäre zu kurz gegriffen. Die sehr knapp bemessene finanzielle Ausstattung bedeutet selbstverständlich auch, dass diesen Unternehmen zu wenig Geld zur Verfügung steht.

Die Politiker sollten solche Strecken nicht an den billigsten Anbieter vergeben, sondern an den, der auch die Standards wie zuverlässige Pünktlichkeit und ausreichend bereitstehende Waggons einhalten kann. Wir Politiker müssen endlich dafür sorgen, dass mehr unbeschrankte Bahnübergänge geschlossen werden und die dann noch vorhandenen mit Schrankenanlagen ausgestattet werden. Das ist nämlich die Grundlage für einen Halbstundentakt.

Wenn wir mehr Pendler von der Straße auf die Schiene bringen wollen, müssen wir kurz- bis mittelfristig Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit gewährleisten. Dafür werden wir uns einsetzen. Denn eigentlich sind die Vorteile des Zuges gegenüber dem Auto unschlagbar: der stress- und staufreie Weg zur Arbeit und zurück.

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