Exzess im Wald: Warendorfer verurteilt
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Wegen Freiheitsberaubung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und schwerem Raub sind am Montag zwei Warendorfer vor dem Landgericht Münster zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

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Die beiden hatten in der Nacht vom 21. auf den 22. Mai einen Landsmann von Münster nach Warendorf entführt und ihr Opfer in einem Wald misshandelt, schwer verletzt und in Todesangst versetzt. Ausgangspunkt der Tat war die Verzweiflung des 28-Jährigen wegen der Trennung von seiner Lebensgefährtin und seinem Sohn. Dem vermeintlichen neuen Partner der Ex-Freundin wollte er eine Lektion erteilen.

Opfer zurückgelassen

Daraus entwickelte sich der Gewaltexzess, den das Gericht als Freiheitsberaubung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und schwerem Raub wertete. Die Täter hatten Drohungen gegen ihr Opfer ausgestoßen, ihm seinen Ausweis geraubt, den Mann malträtiert, ausgezogen und stark blutend und nackt im Wald liegen lassen. Für den 26-jährigen Warendorfer kam noch Handel mit Rauschgift hinzu, das die Polizei in seiner Wohnung gefunden hatte.

Nicht nur deshalb, sondern auch wegen seiner vielen einschlägigen Vorstrafen fiel das Urteil gegen ihn höher aus. Er wird zudem zur Behandlung seiner Drogensucht in eine Entziehungsklinik eingewiesen. Der Staatsanwalt hatte sogar sechs Jahre und neun Monate für den Jüngeren sowie viereinhalb Jahre für den Älteren gefordert. Er wertete die Tat als Geiselnahme und nannte sie massivste Form von Selbstjustiz: „Was da im Warendorfer Wald passiert ist, trug fast schon die Züge einer Scheinexekution.“

Martyrium hat schwere Folgen

Auch der Rechtsanwalt des Opfers und Nebenklägers sprach in seinem Plädoyer von Geiselnahme. Er wies auf die schweren körperlichen und seelischen Folgen des Martyriums für seinen Mandanten hin. Wegen der Hiebe mit einer Rohrzange gegen seinen Kopf müsse er sich noch einer weiteren Operation unterziehen.

Nichts zu beschönigen am Tathergang gab es für die beiden Verteidiger. Da sei etwas in schlimmer Weise eskaliert. Eine Geiselnahme sei es indes nicht gewesen. Für ihre Mandanten führten die Rechtsanwälte deren Geständnisse und Reue ins Feld. Sie hätten ein Schmerzensgeld von 5000 Euro gezahlt und ihren Landsmann um Verzeihung gebeten. Der Anwalt des 28-Jährigen hielt für seinen Mandanten eine Strafe von drei Jahren und drei Monaten für angemessen. Sein Kollege hatte für den 26-Jährigen eine Gesamtstrafe von vier Jahren und drei Monaten und Unterbringung in einer Drogenklinik beantragt. Sein Mandant sei von seiner Sucht getrieben und bei der Tat durch Drogen und Alkohol enthemmt gewesen.

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