Flüchtlinge: Notlösung durch Container? 
Bild: Feldhaus
Nicht ideal, aber notwendig: Die Mitglieder des Sozialausschusses besuchten Klassenräume in der ehemaligen Freiherr-von-Ketteler-Schule, die als Asylunterkünfte hergerichtet werden – vorübergehend.
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Demnach sind es derzeit 173 Flüchtlinge, die vor Gewalt, Krieg und Verfolgung geflohen und in die Emsstadt gekommen sind – mehr als prognostiziert. Teils müssen Asylbewerber bereits in Dachgeschossen und Obdachlosenunterkünften untergebracht werden. Mit 15 weiteren Flüchtlingen rechnet die Verwaltung noch in diesem Jahr. „Wir können diese Menschen nicht mehr unterbringen. Es gibt keine Reserven mehr“, erklärte Dr. Thormann.

Damit lieferte er gleich die Begründung für eine ganze Reihe von Beschlüssen, die im Sozialausschuss – um das vorweg zu nehmen – einstimmig verabschiedet wurden. Thormann: „Eigentlich sollten auch alternative Vorschläge diskutiert werden. Aber angesichts der dringlichen Lage ist das nicht mehr möglich.“ Auch das Haus an der Freckenhorster Straße 174, das die Stadt gekauft hat und das für 20 Flüchtlinge hergerichtet wird, bringt kaum Entspannung. Am Dienstag besichtigten die Sozialpolitiker das Gebäude, im Inneren ist noch viel zu tun. Bis Ende Januar soll es bezugsfertig sein.

Es muss mehr Platz her. An der Dr.-Rau-Allee wird die Stadt das ehemalige Elmer-Gebäude für 15 Flüchtlinge mieten. Umbau und Brandschutz-Nachrüstung werden noch einige Monate dauern. Neben dem Alten Münsterweg soll 2015 noch ein weiteres Neubauprojekt in Angriff genommen werden, im südlichen Bereich des Baufelds Reichenbacher Straße nicht unweit der Awo-Kita. Auch hier gaben die Sozialpolitiker für weitere Planungen grünes Licht. Das Projekt ist am 11. Dezember Thema im Planungsausschuss.

Neubauten dauern. Deshalb werden zehn Klassenräume im Schulgebäude Hermannstraße für 30 Flüchtlinge umgenutzt. Die Verwaltung spricht von einer vorübergehenden Lösung. Große Umbaumaßnahmen seien nicht nötig, aber Duschcontainer sollen aufgestellt werden. Außerdem ist ein separater Eingang zur Unterkunft geplant. So ist es mit der Musikschule, die ihre Räume in der Hermannstraße hat, abgesprochen. Der Bezug ist nach Ostern geplant. Zähneknirschend stimmten die Sozialpolitiker auch dem letzten Punkt der Maßnahmenliste zu: Die Verwaltung wird nun Standort und Kosten für eine Containerunterkunft ermitteln. Dr. Thormann: „Container sind zu vermeiden. Aber wir müssen uns eine Notlösung für den Fall der Fälle verschaffen.“

Kleine Straße: Anwohner gegen die Unterbringung

Anwohner der Kleinen Straße haben sich in einer Stellungnahme gegen die Umnutzung eines Klassentraktes des Schulgebäudes Hermannstraße für die Unterbringung von Asylbewerbern ausgesprochen. Sie sehen gleich mehrere Probleme. So hätten sie ohnehin schon mit einigen Widrigkeiten wie der großen Verkehrsbelastung zu tun – und das tagtäglich. Samstags sei zudem die Straße wegen des Kleinkinderturnens in der Turnhalle zugeparkt.

Die Anwohner befürchten, dass es hier zu Konflikten zwischen Turnhallennutzern und Asylbewerbern kommen könnte. Auch gehen sie davon aus, dass schutzbedürftige Eltern von Musikschülern ihre Kinder künftig verstärkt mit dem Auto bringen, was zu noch mehr Verkehr führen würde.

Obendrein beobachten die Anwohner, wie immer wieder „zwielichtige Jugendliche“ auf dem Schulgelände Drogen und Alkohol konsumieren. „Hieraus könnten sich massive Konflikte mit den Asylbewerbern ergeben“, schlussfolgern sie. Das führe dann zu noch mehr Polizeieinsätzen. Auch halten die Anwohner die Räume für die Unterbringung von 30 Flüchtlingen für „ungeeignet“, die Toilettennutzung auf dem Schulhof für „unzumutbar“.

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