Friseurmeisterin schließt ihren Salon
Foto: Kleigrewe
Nach mehr als 20 Jahren Selbstständigkeit ist Ende Mai Schluss: Friseurmeisterin Claudia Selle schließt ihren Salon an der Dorfstraße in Milte.
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Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Schließungen, Einschränkungen und Auflagen haben die 54-Jährige an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht. „Das vergangene Jahr hat mich finanziell und nervlich mürbe gemacht“, räumt Selle ein. 

Zweimal musste sie im Lockdown den Salon wochenlang schließen und ihre drei Mitarbeiter in die Kurzarbeit schicken. Zwar habe sie Überbrückungsgeld bezogen, doch davon sei nach Abzug aller laufenden Kosten nicht viel übrig geblieben. „Ich habe vom Ersparten gelebt“, erklärt sie. 

Dazu kam die Unsicherheit. Wann kann wieder geöffnet werden? Werden die Kunden wiederkommen? Welche Auflagen müssen erfüllt werden? Kommt womöglich eine weitere Schließung? „Der Druck war riesig“, schildert sie die Belastungen der vergangenen Monate. 

Und die wurden nicht wirklich geringer, als am 1. März die Friseursalons in Nordrhein-Westfalen wieder öffnen durften. „In den ersten Tagen bin ich quasi mit dem Telefon unter die Dusche gegangen, um keinen Anruf für eine Terminvereinbarung zu verpassen“, erzählt sie mit einem Schmunzeln. Doch nach dem ersten Run ließ der Andrang schnell wieder nach. „Da haben wohl einige festgestellt, dass beim Kurzhaarschnitt auch die Frau oder Freundin mal zur Schere greifen kann und dass man gar nicht alle vier Wochen zum Friseur gehen muss, wenn man ohnehin nur im Homeoffice sitzt“, vermutet Claudia Selle.

Zudem komme bei den umfangreichen Hygienemaßnahmen mit Masken und Sicherheitsabstand nur schwerlich die sonst übliche entspannte Atmosphäre auf. Und schließlich habe die Auflage, einen Friseurbesuch nur mit tagesaktuellem Schnelltest zu erlauben, vor allem ältere Kunden abgeschreckt. „Wir haben hier in Milte keine Teststelle. Extra für den Friseur woanders hinzufahren, ist vielen zu aufwendig.“

Weil sie mit einem eigenen Salon Beruf und Kinder unter einen Hut bringen konnte, hat sich Claudia Selle 1998 selbstständig gemacht. Nachdem sie die Meisterprüfung absolviert hatte, arbeitete sie zunächst allein in einem Kellerraum ihres Hauses. „Das war ideal. Ich konnte arbeiten und mich trotzdem immer um die Kinder kümmern“, erinnert sie sich. 

Nach und nach vergrößerte sich das Geschäft dann aber. Nach dem Umzug zum Wietels Kamp standen vier Behandlungsstühle zur Verfügung, die Friseurmeisterin stellte Mitarbeiter ein und bildete auch aus. Ein großer Schritt folgte 2004, als sie den Salon an der Dorfstraße eröffnete. Insgesamt sechs Kunden konnten dort gleichzeitig bedient werden. „Die Stimmung war immer sehr familiär und schön“, sagt Claudia Selle und seufzt. 

Leicht ist ihr die Entscheidung zur Schließung ihres Salons trotz aller Erschwernisse nicht gefallen. Doch sie ist sich sicher, dass sie das Richtige getan hat. „Die Umsätze sind zurückgegangen. Auch in diesem Jahr fallen Schützenfeste, Jubelhochzeiten und andere Feierlichkeiten aus, für die sich viele bei uns früher eine schicke Frisur machen lassen haben“, erklärt sie. Auch wenn es für Milte und ihre Kunden traurig sei, wolle sie sich dem Druck der Selbstständigkeit nicht mehr aussetzen. 

„Und ich bin ja nicht aus der Welt“, gibt die 54-Jährige zu bedenken. Wenn sie Ende Mai ihren Salon schließt, fängt sie als Friseurin im Salon einer ehemaligen Auszubildenden in Warendorf an. „An der Milter Straße, das ist nicht weit“, sagt sie lächelnd.

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