Für einige seit langem das schönste Fest
Geschenke unterm Weihnachtsbaum gibt es auch im Warendorfer Frauenhaus.

Für die Frauen, die nicht selten mitsamt ihren Kindern vor häuslicher Gewalt geflohen sind, überwiege der schöne Teil. Denn: Im Frauenhaus sorgen Krieter und ihre Mitarbeiter mit den Bewohnerinnen dafür, dass es auch unter den nicht einfachen Umständen weihnachtlich zugeht. „Wir haben einen Weihnachtsbaum, wir backen Plätzchen, und es gibt Geschenke“, erklärt Anneli Krieter.

Für die Kinder – aktuell sind es acht im Alter von einem Jahr bis 13 Jahren – sorgten die Mütter für Überraschungen. Die derzeit sechs Frauen bekämen vom Team individuell ausgesuchte Geschenke. „Viele sind es gar nicht mehr gewohnt, beschenkt zu werden“, sagt Krieter. Deshalb genössen sie die Aufmerksamkeit. Insgesamt tun sich die Frauen laut der Leiterin gegenseitig gut. In der Vorweihnachtszeit werde gemeinsam gebastelt – etwa Weihnachtskarten, die verschickt werden. Auch eine große Putzaktion und Dekorationsnachmittage habe es gegeben, um alles für die Feiertage herzurichten.

An Weihnachten selbst gehe es meist ziemlich multikulturell zu. „Unsere Frauen kommen zum Teil aus allen Teilen der Welt, da wird es kulinarisch bunt“, erklärt Anneli Krieter. Ob türkisch, indisch oder afrikanisch – das Buffet sei ein Mix der Kulturen. Aber keine der Frauen würde angesichts religiöser Unterschiede sagen: Das ist nicht mein Fest, da nehme ich nicht teil. Stattdessen zähle im Frauenhaus die Gemeinschaft. „Die Botschaft, die alle unsere Frauen jetzt verbindet, lautet: Wir haben es bis hierher geschafft“, sagt Krieter. Auch kehre über Weihnachten und Silvester eine gewisse Ruhe im Frauenhaus ein. Denn: Wer jetzt dort sei, gehe nicht. Und während dieser Zeit gebe es wenig bis gar keine Neuaufnahmen. „Eher ist es so, dass Frauen wegen der Kinder und Familien über die Feiertage noch aushalten. Und dann im Januar zu uns kommen.“

Ganz einfach ist die stille Zeit für die Frauen trotz der Gemeinschaft nicht. Denn viele vermissen ihre Eltern und Freunde. Sie sind anonym untergebracht, um geschützt zu sein. Das trennt sie von ihren Lieben. „Aber nicht wenige sagen uns auch: Das Weihnachten im Frauenhaus war seit langer Zeit das schönste“, erklärt Krieter. Angst vor Spannungen und Gewalt müssten sie dort nicht haben. Gleiches gilt für Silvester. Da wird entweder ein gemütlicher Abend verbracht oder ein kleines Feuerwerk gezündet – je nach Lust und Laune der Frauen.

Das Frauenhaus

Im Warendorfer Frauenhaus sind derzeit sechs Frauen und acht Kinder untergebracht. Die Frauen sind vor Gewalt und Misshandlung in ihren Familien geflohen. „Das geht von Beleidigungen über Einsperren und Kontaktverbot bis hin zu schwerer Körperverletzung, sexueller Gewalt und Tötungsversuchen“, erläutert Anneli Krieter, welche schlimmen Erfahrungen die Frauen gemacht haben. Im Frauenhaus können sie der Gewalt entfliehen, und sie werden auf dem Weg in ein neues, selbstbestimmtes Leben unterstützt.

In den vergangenen zehn Jahren sei das Haus immer nahezu ausgelastet gewesen, berichtet Krieter. Wenn es keinen freien Platz gibt, vermitteln sie und ihr Team die Frauen weiter an andere Häuser – eine NRW-weite Datenbank hilft dabei. Insgesamt sei die Bereitschaft, den Schritt ins Frauenhaus zu tun, nicht mehr so angst- und schamerfüllt wie noch vor einigen Jahrzehnten, sagt die Frauenhaus-Leiterin. Der Frauenhaus-Notruf ist Tag und Nacht zu erreichen unter: 02581 / 78018.

SOCIAL BOOKMARKS