Gemeinde gewährt erstmals Kirchenasyl
In der Heilig-Geist-Kirche in Beelen ist ein 24 Jahre alter Syrer im Kirchenasyl untergebracht.

„Wir haben uns vor die Wahl gestellt gesehen, aus Gewissensgründen Kirchenasyl zu gewähren, weil er von Abschiebung bedroht war“, sagte gestern Pfarrer Herwig Behring. „Wir müssen ihn schützen.“

Der junge Mann sollte laut Kreissprecher Daniel Höing nach dem Dublin-III-Verfahren nach Bulgarien zurückgeführt werden. Er sei in Bulgarien registriert worden und habe deswegen gemäß einer Entscheidung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) dorthin gebracht werden sollen, damit sein Asylantrag dort bearbeitet wird.

„Wir befürchten, dass er dort inhaftiert wird, dass er keine Versorgung erhält, dass er keine Chance bekommt, zu arbeiten und dass er untergeht“, begründet Behring, warum das Presbyterium der Gemeinde entschieden hat, dem muslimischen Syrer Kirchenasyl zu gewähren. Der 24-Jährige hält sich laut Höing seit Februar dieses Jahres in Deutschland auf. Er habe zuvor in Telgte gewohnt, sagte Behring. Aus dem dortigen Unterstützerkreis sei die Gemeinde angesprochen worden, ob sie helfen könne.

Der Syrer lebt nun in der Heilig-Geist-Kirche, da diese entwidmet wurde und nicht mehr genutzt wird. Am Montagabend habe man unter anderem ein Bett in die Räume gebracht. Nun ist die Kirchengemeinde für die Versorgung des Asylbewerbers zuständig. „Wir haben zwei Aufgaben“, sagt Behring, „die Versorgung mit den grundlegenden Dingen wie Lebensmitteln und die soziale Versorgung“. So sollen Besuche organisiert werden, da der Syrer sich nur in der Kirche und auf dem Kirchengelände aufhalten darf. „Und wir hoffen, dass sich jemand findet, der ihm Deutschunterricht erteilt. Es ist wichtig, dass er die Zeit nutzt.“

Die Kirche sei „kein rechtsfreier Raum“, betont Behring. Das Kirchenasyl richte sich nicht gegen die Behörden. Laut Kreissprecher Höing hat die Kirchengemeinde mitgeteilt, dass derzeit ein Härtefallantrag erstellt werde, der beim Bamf eingereicht werden solle. „Die Entscheidung darüber wollen wir abwarten.“ So lange also wird der Kreis als Behörde, die die Entscheidungen des Bamf auszuführen hat, nicht tätig werden.

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