Gemeinsam Kirche klasse klingen lassen
Insgesamt 2178 Pfeifen hat die neue Orgel in der Freckenhorster Stiftskirche, die am ersten Adventswochenende feierlich eingeweiht wurde.

„Das hat bestätigt, dass man viel bewegen kann, wenn man ein Ziel hat und Menschen, die von ihrer Sache überzeugt sind“, erklärt Flothkötter. Am 9. Dezember 2014 hatten er und zahlreiche Mitstreiter unter dem Motto „Wir lassen Kirche klasse klingen“ den Orgelbauverein Freckenhorst ins Leben gerufen. Nur drei Jahre später ist es geschafft: Die neue Seifert-Orgel steht spielbereit in der Stiftskirche.

„Dass es so schnell gehen würde, hätte wohl niemand von uns gedacht“, gibt Flothkötter zu. Immerhin 400 000 Euro kostete die Sanierung der maroden, alten Orgel. Allein ein Viertel dieser Summe, 100 000 Euro, brachte der Orgelbauverein auf. Um das zu schaffen, entwickelte der 14-köpfige Vorstand jede Menge kreativer Ideen. Von Benefizkonzerten aller musiktreibenden Vereine der Stiftsstadt über ein öffentliches Volksliedersingen und ein Doppelkopfturnier bis zur Vergabe von Orgelpfeifenpatenschaften und zu einer großen Orgelbaulotterie reichte die Palette der Aktivitäten. „Wir hatten für alles Spezialisten, die ihre Kompetenzen eingebracht haben, und konnten die Arbeit in Projektgruppen sehr effektiv gestalten. So ist ein ganzes Orgelnetzwerk entstanden“, freut sich der Diplom-Theologe über die gute Zusammenarbeit.

Die war auch nötig, denn den Orgelbau-Freunden blies durchaus Gegenwind ins Gesicht. Ein E-Piano würde auch zur Begleitung des Gemeindegesangs ausreichen, die Kirche sei ohnehin nicht mehr gut besucht und das Bistum solle einfach die komplette Summe bezahlen, waren nur einige der Argumente gegen das Engagement für eine neue Orgel. „Aber uns ist es gelungen, klar zu machen, dass die Orgel nicht nur ein liturgisches Instrument, sondern für alle da ist“, betont Flothkötter. „So konnten wir ganz viele Menschen mitnehmen – auch solche, die gar keine religiöse Bindung haben.“ Mehr als 200 Mitglieder im Orgelbauverein, zahlreiche Spenden von Privatpersonen anlässlich familiärer Anlässe und die Unterstützung durch Firmen sprechen da eine deutliche Sprache.

Die Orgel steht, also ist der Orgelbauverein überflüssig? „Keineswegs“, sagt Hermann Flothötter und lächelt unternehmungslustig. Denn bei seiner Gründung hat der Verein in seiner Satzung zwei Zwecke verankert: Neben der finanziellen Förderung des Orgelbaus auch die finanzielle und ideelle Förderung der Kirchenmusik in der Stiftskirche. Gemäß dem Anspruch, dass die Orgel für alle da ist, soll vor allem das musikalisch-kulturelle Angebot für unterschiedliche Zielgruppen ausgebaut werden.

Wieviel Spaß das machen kann, haben Hermann Flothkötter und sein Vorstandskollege Dr. Gunter Tönne bereits in diesem Jahr festgestellt. Als Dankeschön für eine Spende hatten sie die Mädchen und Jungen des Magdalenen-Kindergartens zu einem kleinen Konzert eingeladen. „Es war fantastisch zu sehen, wie die Kinder mit großen Augen vor der Orgel saßen und gespannt zuhörten, wie die einzelnen Pfeifen angespielt wurden“, berichtet der ehemalige Leiter der Landvolkshochschule. Aber auch die Orgelpaten, Förderer, Spender und Sponsoren sind bei mehreren Vorstellungskonzerten willkommen, um das neue Instrument kennenzulernen und sich auf Wunsch „ihre Pfeife“ vorführen zu lassen. Und natürlich soll die Orgel auch in all ihren musikalischen Facetten zu hören sein.

Für das Jahr 2018 sind „Sonntagskonzerte in St. Bonifatius“ geplant, bei denen hochkarätige Musiker am Spieltisch Platz nehmen. Den Auftakt macht ein Konzert des Kirchenmusiker-Ehepaars Agata und Winfried Lichtscheidel am Sonntag, 7. Januar, ab 17 Uhr. „Unsere Arbeit ist nicht beendet, sie verändert und entwickelt sich nur“, sagt der 70-Jährige und freut sich schon darauf.

SOCIAL BOOKMARKS