Gestüt: Nebenverdienst im  Pferdehandel?
Bild: Hartwig
Die idyllische Ruhe trügt: Die seit 2014 laufenden Ermittlungen gegen seit einem Jahr suspendierte leitende Mitarbeiter des Landgestüts in Warendorf füllen 1800 Seiten Ermittlungsakten.
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Ein Jahr ist es her, dass die Ermittlungen des Landeskriminalamtes auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Münster gegen drei leitende Mitarbeiter des NRW-Landgestüts öffentlich geworden und die Verdächtigen zwangsbeurlaubt worden sind. Mittlerweile liegt eine rund 1800 Seiten umfassende Ermittlungsakte den Anwälten der drei Verdächtigen sowie dem zuständigen Umweltministerium in Düsseldorf vor.

Daraus geht nach „Glocke“-Informationen hervor, dass der Ermittlungsansatz weit über die als problematisch dargestellten Dienstreisen nach Katar hinausgeht.

Ermittlungen seit 2014

Bereits 2014 sollen die Ermittlungen gegen die drei Führungskräfte aufgrund eines anonymen Hinweises begonnen haben. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde für die Abwicklung der angestrebten Katar-Geschäfte, bei dem neben dem Trainingsaufenthalt der jungen Kataris am NRW-Landgestüt auch eine größere Anzahl von Pferden in das Scheichtum geliefert werden sollte, von den drei Führungskräfte bei ihrem Arbeitgeber, dem Land NRW, eine Genehmigung auf Nebentätigkeit beantragt. Diese sollen jedoch vom zuständigen Umweltministerium in Düsseldorf abgelehnt worden sein.

Gleichwohl sollen die drei Tatverdächtigen zur Geschäftsabwicklung mit dem Wüstenstaat eine eigene Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet haben. Nach „Glocke“-Informationen haben die Ermittlungen ergeben, dass ein Pferdehändler vom Niederrhein, der den Großteil der Pferde für das Katar-Geschäft aufgetrieben haben soll, von den Arabern gut 180 000 Euro bekommen, davon allerdings nur weniger als die Hälfte an die Besitzer der Pferde weitergeleitet habe. Teile des Geldes sollen auf das Konto der von den drei Warendorfern gegründeten GbR geflossen, eine fünfstellige Summe auch an einen Familienangehörigen eines der Tatverdächtigen transferiert worden  sein.

Durchsuchung bei Pferdehändlern

Ende September 2016 soll es im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die drei Führungskräfte bei einem Hengstaufzüchter und Pferdehändler aus Niedersachsen, eine weitere Hausdurchsuchung gegeben haben. Der Händler gilt als einer der wichtigsten Geschäftspartner des Landgestüts in den vergangenen Jahren.  Auch hier wurde umfangreiches Material beschlagnahmt. Ob sich daraus weitere strafrechtlich relevante Aspekte ergeben könnten, wird zurzeit noch geprüft.

In Insiderkreisen wird erwartet, dass sich das Nordrhein-Westfälische Umweltministerium in Kürze äußern wird. Dabei dürfte es vor allem um die Frage dienstrechtlicher Konsequenzen gehen.

Noch keine Anklage erhoben

Bei den bisherigen Ermittlungsergebnissen handelt es sich um die Recherchen von Polizei und Staatsanwaltschaft. Eine gerichtliche Entscheidung über die Eröffnung eines Strafverfahrens ist nach Informationen unserer Zeitung noch nicht gefallen. Für die Tatverdächtigen gilt daher weiterhin die Unschuldsvermutung.

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