Heftige Kritik der Kliniken an Jens Spahn
Bild: Wild

Heftige Kritik aus den deutschen Krankenhäusern hat am Wochenende Gesundheitsminister Jens Spahn einstecken müssen. Auch der Vorstandsvorsitzende des Josephs-Hospitals Warendorf, Peter Goerdeler (v.l.: Peter Goerdeler, Vize-Kuratorin Doris Kaiser und Ärztlicher Direktor Dr. Timm Schlummer auf einem Archivbild)  fand harsche Worte.

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Bundesminister Spahn breche sein Wort und entziehe Krankenhäusern dringend notwendige Unterstützung in der Corona-Krise, kommentierte  Peter Goerdeler, Vorstandsvorsitzender des Josephs-Hospitals Warendorf (JHW), die anfängliche Beschlusslage und das Hin und Her der politischen Entscheider. Auch der „Nachschlag“ sei bei Weitem nicht ausreichend.

Viele Krankenhäuser, so auch das Warendorfer Josephs-Hospital, haben sich in den letzten Wochen mit aller Kraft auf die Corona-Krise vorbereitet. In der Klinik stehen seit einer Woche viele Operationssäle still, weil Kapazitäten für eine provisorische Intensivstation geschaffen wurden. Viele planbare Operationen wurden abgesagt.

„Verluste in Millionenhöhe“?

Das Krankenhaus sehe nun gravierende wirtschaftliche Probleme auf sich zukommen. Goerdeler sprach in einer ersten Reaktion von „Verlusten in Millionenhöhe“ für sein Haus. Zusätzlich entstünden erhebliche Kosten, weil die Schaffung von neuen Intensivkapazitäten teuer sei. Auch der Verbrauch an Schutzkleidung für die Mitarbeiter sei erheblich angestiegen.

Alle Maßnahmen seien im Vertrauen in Bundesminister Spahn erfolgt, der sich mit einem persönlich Schreiben an die Krankenhäuser gewandt hatte, planbare Operationen runterzufahren, um Zusatzkapazitäten für Corona-Patienten zu schaffen. Er hatte  seine eindringlichen Worte mit der Zusage verbunden, „kein Krankenhaus werde ins Defizit rutschen […] whatever it takes“ (was es auch koste).

„Von wohlfeilen Worten nicht viel übrig“

Spahn hatte  am Samstag sein Stützungspaket für die Krankenhäuser vorgestellt. Da habe man erkennen müssen, „dass von seinen wohlfeilen Worten nicht viel übrig“ geblieben sei, sagte machte der Warendorfer Krankenhausmanager, von seiner Grundausbildung her ein gelernter Krankenpfleger,  jetzt seinen Unmut gegenüber der „Glocke“ deutlich. Statt den Krankenhäusern in der schwersten Krise der Bundesrepublik den Rücken frei zu halten, verlange er weiter kleinteilige bürokratische Nachweise.

Zuvor hatten sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die AOK auf ein Paket verständigt, was den Krankenhäusern unbürokratisch geholfen und gleichzeitig nicht zu explodierenden Kosten auf Kassenseite geführt hätte. Deshalb sei es völlig unverständlich, warum der Minister diesen Vorschlag vom Tisch gefegt hatte „und sein eigenes, völlig unzureichendes Paket geschnürt hat“. JHW-Vorstandsvorsitzender Peter Goerdeler sprach von einer beispiellosen Empörungswelle in der Krankenhauslandschaft: „Viele fühlten sich von Spahn verschaukelt. Ich empfinde dies als Schlag in die Magengrube.

„Teams leisten Großartiges“

Auf seine Mitarbeiter zeigt sich Goerdeler dagegen stolz. „Die leisten Großartiges. Denen kann ich das gar nicht erklären. Es gibt Kollegen, die berichten mir, dass sie nur noch zwei Wochen durchhalten. Auch wir müssen ab dem heutigen Tag nicht nur gegen Corona kämpfen, sondern uns auch gegen die wirtschaftlichen Folgen stemmen.“

Nach Kritik bessern Regierungen nach

Am Sonntag wurde bekannt, dass Bund und Länder nach heftiger Kritik der Krankenhäuser das geplante Hilfspaket für die Kliniken in der Corona-Krise nachbessern. So sollen die Einrichtungen für jedes Bett, das wegen Verschiebung planbarer Behandlungen erst einmal frei bleibt, 560 Euro pro Tag erhalten, wie es am Sonntag in Regierungskreisen in Berlin hieß. Ursprünglich waren 410 bis 540 Euro je nach Klinikgröße geplant gewesen. Für jede neue intensivmedizinische Behandlungseinheit mit Beatmungsmöglichkeit sollen die Kliniken einen Bonus von 50 000 statt wie zunächst geplant 30 000 Euro erhalten.

Befristet für acht Wochen soll ein Zuschlag je Patient in Höhe von 50 Euro gezahlt werden. Ausgesetzt wird eine Verordnung zu Untergrenzen beim Pflegepersonal. Rehabilitationseinrichtungen sollen auch Nicht-Corona-Patienten zur akutstationären Krankenhausversorgung aufnehmen können.

Milliarden-Paket doch nicht ausreichend?

Das Hilfspaket für Kliniken, Ärzte und Pfleger des Bundes sollte zunächst rund 3,3 Milliarden Euro umfassen. Nach heftigem Protest der Kliniken hatte Spahn mit seinen Länderkollegen daraufhin die nun bekannt gewordenen Nachbesserungen beschlossen. Zusammen mit Mitteln der Kranken- und Pflegekassen sollten dem ursprünglichen Entwurf zufolge 7,8 Milliarden Euro fließen.

Online-Petition soll Hospitälern helfen

Am Abend haben die regionalen Krankenhäuser die Bevölkerung ausdrücklich darum gebeten, sie in ihrem Kampf um eine auskömmliche Finanzausstattung  im Zuge einer Online-Petition zu unterstützen.

https://www.openpetition.de/!klinikrettungsschirm.

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