Hilfstransporte erreichen Bosnien
Lebensmittel, Werkzeuge, Spielzeug und vieles mehr haben Privatpersonen aus Warendorf und Reken mit Hilfe der „Aktion Kleiner Prinz“ nach der Flut nach Bosnien gebracht.

Hanna Omerovic und Daniel Sekic, genannt Dado, die beide in Bosnien geboren wurden, stockte angesichts der ersten Fernsehbilder der Atem. Unabhängig voneinander beschlossen sie, zu helfen. Nun ist das als Privatperson alles andere als einfach – Unterstützung fanden die Warendorferin und ihr Mitstreiter aus Reken bei der „Aktion Kleiner Prinz“. Die Hilfsorganisation koordinierte die Transporte der beiden, die sich erst am Dienstagvormittag persönlich kennenlernten. Bis dahin waren Omerovic und Sekic unabhängig voneinander aktiv geworden und hatten in ihrer Heimat bereits eine Menge bewegt. Im Büro der „Aktion Kleiner Prinz“ an der Beckumer Straße trafen sie gestern zusammen, um mit dem Vorstand der Warendorfer Organisation das weitere Vorgehen zu besprechen.

Angesichts der gewaltigen Probleme, vor welche die Bewohner der überschwemmten Landstriche gestellt wurden, ist es der Vorsitzenden der „Aktion Kleiner Prinz“, Maria Mussaeus, rätselhaft, wie die Katastrophe in der öffentlichen Wahrnehmung so in den Hintergrund rücken konnte. „Wäre ich an der Stelle der Betroffenen, ich fühlte mich von der Welt verlassen“, sagt sie. Bei der Sparkasse Münsterland Ost ist ein Spendenkonto unter dem Stichwort „Fluthilfe Bosnienkinder“ eingerichtet worden.

Hanna Omerovic und Daniel Sekic haben auf ihre Weise und zunächst ohne eine Hilfsorganisation im Rücken damit begonnen, Unterstützung für überschwemmte Landstriche auf den Weg zu bringen. Spätestens beim Zoll dürfte eine Grenze erreicht sein, die für Privatpersonen nur schwer zu überwinden ist – und so laufen die Maßnahmen der gebürtigen Bosnier bei der „Aktion Kleiner Prinz“ zusammen. Die ersten Transporte haben in den vergangenen Tagen Bedürftige in den Regionen um Prijedor, Tuzla und Srebrenica erreicht. Daniel Sekic, Bruno Hartling und ihre Mitstreiter, die sich mit zwei 40-Tonnern auf den Weg gemacht hatten, berichten von katastrophalen Zuständen. Was im Augenblick vor allem fehle, seien Pumpen, Kühlschränke und Herde, weiß Hanna Omerovic. Größtes Problem seien Minen und Tierkadaver.

Eigentlich hatte Daniel Sekic vorgehabt, einen 7,5-Tonner mit Material zu füllen und auf die Reise in seine Heimat zu schicken – doch da hatte Dado die Rechnung ohne seinen heimischen Sportverein gemacht, in dem er sich ehrenamtlich engagiert. Binnen kürzester Zeit waren zwei 40-Tonner mit Hilfsgütern gefüllt, die von Privatleuten und Firmen zwischen Münster und Oberhausen gespendet worden waren. Hanna Omerovic schickte in einem Kleintransporter vor allen Dingen Lebensmittel und Sanitätsartikel auf die Reise, die zweite Fuhre soll bald schon folgen.

Wer wie der Kindergarten „Heilig Kreuz“ in Stromberg am Dienstag Hilfsgüter spenden möchte, sollte sich mit der „Aktion Kleiner Prinz“ in Verbindung setzen. Das Büro an der Beckumer Straße ist unter 02581/784747 zu erreichen.

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