Holzhasen mit Kettensäge „geschnitzt“
Bild: Emil Schoppmann
Der Künstler Klaus Seliger ist vorwiegend für seine feuergeschwärzten Raben und Krähen bekannt. Doch ihn fasziniert auch die Anatomie und Kulturgeschichte des Hasen
Bild: Emil Schoppmann

Während viele Tiere und Pflanzen gerade erst aus ihrem Winterschlaf erwachen, ist der Hase eines der ersten Tiere, die im Frühjahr ihre Jungen bekommen. Nicht umsonst gilt er deshalb als Frühlingsbote und Symbol für Fruchtbarkeit.

Milter Mühle

Künstlerisch gestaltete Hasen aus Holz gibt es dagegen ganzjährig in der Milter Mühle zu entdecken. Im vergangenen Jahr hat sich der Bielefelder Künstler Klaus Seliger in dem alten Gemäuer ein Atelier eingerichtet und nutzt das angrenzende Sägewerk als Werkstatt. Seliger „schnitzt“ seine Holzskulpturen mit der Kettensäge.

Obwohl er vorwiegend für seine feuergeschwärzten Raben und Krähen bekannt ist, fasziniert ihn die Anatomie und Kulturgeschichte des Hasen schon lange.

Hase als Symboltier

Gerade in der Kunst hat der Hase als Symboltier oder Jagdmotiv viele Spuren hinterlassen. Etwa in Paderborn, wo sich im Kreuzgang des Doms das berühmte Dreihasenfenster aus dem 16. Jahrhundert befindet. Dabei sind drei Hasen so angeordnet, dass zwar jeder Hase zwei Ohren hat, auf dem Motiv aber insgesamt nur drei Ohren dargestellt sind.

Der Feldhase von Albrecht Dürer, eine der bekanntesten Naturstudien, hing dagegen früher in fast jeder gutbürgerlichen Wohnstube. Umso mehr ist Klaus Seliger erfreut, wenn an seinem neuen Domizil mal ein echter Hase über die umliegenden Wiesen hoppelt.

Ungestörtes Arbeiten

Trotz oder vielleicht auch wegen der Coronakrise steht Seliger nun fast täglich in seiner Werkstatt und nutzt die Zeit zum ungestörten Arbeiten. In der Mühle, seiner „Insel“, wie er sie nennt, fühlt sich Seliger sicher. Genauso wie die Hasenskulpturen aus Robinie und Roteiche, die dem Betrachter aufrecht stehend, sozusagen auf Augenhöhe begegnen.

Seliger reizt es, die Anatomie des Tieres zu erfassen und das Holz mit der Kettensäge in eine neue Form zu bringen. Dass er dabei Spaß am Absurden hat, zeigt ein aus Mammutbaum gesägter „Hasenstuhl“. Auf der schon fast zu kleinen Sitzfläche hat es sich ein Hasenpaar gemütlich gemacht. „Zusammen mit dem Vanitas-Symbol des schwarzen Raben auf der Stuhllehne ergibt sich ein Kontrast zwischen neu entstehendem Leben und Vergänglichkeit.“, sieht Seliger eine Möglichkeit der Interpretation. Schon Joseph Beuys war such sicher, dass man Kunst letztlich nicht erklären kann. 1965 versuchte er in der Galeria Schmela ausgerechnet einem toten Hasen seine Bilder zu erklären.

Ausführlicher Bericht in der Warendorfer Lokalausgabe am 10. April 2020.

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