„Hopfenbengel“ aus dem Brauatelier
Foto: Baumjohann
Zum Wohl: Vor den Gär- und Reifungstanks im Pott’s-Brauatelier kosten (v. l.) Daniel Hefele und Martin Zäh den ersten Schluck des neuen „Hopfenbengels“.
Foto: Baumjohann

Arbeitsschritte und Zeit, die der jüngste Sud der vom Hoetmarer Hobbybrauer Zäh kreierten Bierspezialität „Hopfenbengel“ schon hinter sich hat. Der Hoetmarer war jetzt nach Oelde gefahren, um die Flaschenabfüllung seines Biers mitzuerleben. Von der Besuchertribüne aus blickte Zäh auf die zahlreichen Förderbänder, die die Flaschen zwischen den einzelnen Maschinen transportieren – von der Reinigung und der Kontrolle über die eigentliche Abfüllung, bei der die Flaschen auch mit Kronkorken verschlossen werden und die Etikettiermaschine bis hin zur Endkontrolle und dem Einsetzen in die Mehrwegkästen.

Auch beim vierten „Hopfenbengel“-Sud, der im Pott’s-Brauatelier nach dem Rezept von Martin Zäh durch Pott’s Produktionsleiter und Braumeister Daniel Hefele und seinen Stellvertreter Peter Wienstroer gebraut worden ist, gab es wieder einige Optimierungen. So wurde jetzt etwas weniger Hopfen in die Sudpfanne gegeben. „So bekommt das Bier, das im Vergleich zum im Keller gebrauten Original zu herb war, eine Bittereinheit weniger.“ Parallel dazu sei allerdings die Hopfenzugabe im so genannten Whirlpool erhöht worden, um den fruchtigen Duft des Bieres zu verstärken. Und auch die Whirlpool-Temperatur habe man um vier Grad reduziert: „Dann gehen keine Bittereinheiten mehr ins Bier über. Dafür bleiben mehr Aromen zurück“, weiß Zäh.

Beim aktuellen „Hopfenbengel“-Sud habe Peter Wienstroer die letzte Hopfengabe von Hand vorgelegt, also erst dann in den sich noch drehenden Whirlpool gegeben, als dieser ausreichend kalt war. „Normalerweise kommt diese Hopfengabe über eine Einspülschleuse in den Whirlpool“, erläutert Martin Zäh den Ablauf in der Brauerei. Die Handarbeit sei beim „Hopfenbengel“ allerdings nötig, weil die Bittereinheiten im Bier zu sehr stiegen, wenn der Hopfen bei noch zu hohen Temperaturen in den Whirlpool gelangte. Abschließend sei der aktuelle „Hopfenbengel“-Sud erstmals auch durch den Separator geflossen, damit weniger Hefe im Bier zurückbleibe. „Zu viel Hefe unterdrückt das feine Hopfenaroma“, sagt Zäh. Ein wenig Hefe müsse aber dringend zurückbleiben, da sie das Bier rund mache und den typischen Pale Ale-Geschmack ergebe.

„Das ist der beste Sud bisher“, ist auch Daniel Hefele überzeugt, dass die Veränderungen weitere Verbesserungen gebracht haben für den „Hopfenbengel“. Gemeinsam mit dem Hoetmarer hatte der Pott’s-Produktionsleiter das fertige Bier noch vor der Flaschenabfüllung aus dem Reifetank probiert.

Kreiert hatte Martin Zäh den „Hopfenbengel“ ursprünglich im Braukeller seines Hoetmarer Hauses. Weil immer mehr Hoetmarer nach seinem Bier gefragt hatten, hatte sich der Hobbybrauer 2017 entschieden, den „Hopfenbengel“ erstmals für die Öffentlichkeit zu brauen – zunächst in der Drei-Kronen-Brauerei in Memmeldorf bei Bamberg, seit 2019 im Brauatelier der Oelder Pott’s-Brauerei.

Die Möglichkeit, in Oelde zu brauen, nutzt längst nicht nur Martin Zäh. „Wir bekommen fast täglich Anfragen“, sagt Produktionsleiter Daniel Hefele. Seit der Eröffnung des Brauateliers im März 2019 habe man 125 Auftragssude in verschiedenen Größen gebraut – der kleinste davon mit gerade einmal 1500 Litern, was der Größe eines Brautanks entspricht. Der größte Kostenfaktor gerade bei kleinen Suden sei das Personal bei der Abfüllung, weiß Hefele. „Das macht schnell zehn Prozent der Gesamtkosten aus.“ Mit seinem „Hopfenbengel“ und Lagerbier ist Martin Zäh schon Stammkunde im Brauatelier – knapp fünf Prozent aller Auftragssude gehen auf sein Konto.

Trotz der Sude im Pott’s-Brauatelier ist der Braukeller im Haus Zäh natürlich nicht außer Funktion. Nach wie vor genießt Martin Zäh es, im heimischen Keller mit verschiedenen Hopfen- und Malzsorten zu experimentieren und neue Bierrezepte zu entwickeln. So ist unlängst mit frisch geernteten Dolden der Sorte „Spalt Spalter“ aus dem eigenen Garten ein Grünhopfenbier entstanden, das Zäh jetzt in Handarbeit in Flaschen abgefüllt hat.

Rund eine Stunde brauche man für eine Kiste mit 24 Flaschen, erzählt der Hobbybrauer. Die Abfüllung, die im Prinzip genauso funktioniert wie in der Brauerei, wird so auch zur Geduldsprobe. Jede der Flaschen, die vor der Befüllung natürlich sorgsam gereinigt worden sind, stellt Zäh unter den Gegendruck-Flaschenfüller, spannt die Flasche mit Kohlendioxid vor und lässt dann das Bier einströmen, das die Luft aus der Flasche verdrängt. So bleibt neben dem Bier lediglich Kohlendioxid in der Flasche zurück, wenn sie der Hobbybrauer unter den Flaschenverschließer stellt und den Kronkorken mit einem Zug am Hebel auf den Flaschenhals drückt. Kurz darauf stellt Zäh die Flasche in den bereitgestellten Rahmen, greift zur nächsten leeren Flasche und die Arbeit beginnt von vorn.

Bier trinkt der Hobbybrauer bei der Abfüllung in seinem Braukeller übrigens nicht – mit einer Ausnahme: Vor dem Beginn der Abfüllung testet er, ob der Sud auch gelungen ist und das fertige Bier seinen Erwartungen entspricht. „Ansonsten macht man sich mit der Abfüllung eine Menge unnötige Arbeit.“

Der neue „Hopfenbengel“-Sud von Martin Zäh aus dem Pott’s-Brauatelier ist ab sofort beispielsweise beim Landhandel Averbeck in Hoetmar, in der Kosterei von Stefan Kurlovich in Warendorf, im Trinkgut in Sassenberg und im Edeka-Markt Kemper in Ahlen erhältlich.

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