Horstmann Bürgermeister in Warendorf
Foto: Gabi Wild
Peter Horstmann (r.) wird neuer Bürgermeister in Warendorf. Wahlleiter und Erster Beigeordneter Dr. Martin Thormann gratulierte seinem jungen, künftigen Chef mit einem Blumenstrauß zur Wahl und freut sich auf eine gedeihliche Zusammenarbeit.  
Foto: Gabi Wild

Mit einem unbeschriebenen Blatt beginnt für Warendorf ein neues Kapitel der Stadtgeschichte. Die Wähler haben am Sonntag bei der Stichwahl ums Bürgermeisteramt dem erst 33-jährigen Peter Horstmann (parteilos) den Vorzug gegenüber dem erfahrenen Amtsinhaber Axel Linke (54, CDU) gegeben.

Nachdem Horstmann bereits am Sonntag der Kommunalwahl (13. September) nur hauchdünn die 50-Prozent-Marke verpasst hatte, ließ er auch in der Stichwahl den amtierenden Bürgermeister deutlich mit 76,1 zu 23,9 Prozent hinter sich.

Die Stichwahl erzwungen hatte der am 13. September dritte Kandidat, der parteifreie Peter Huerkamp (61), der mit seinem Team für die gestrige Wahl seinen Wählern (er hatte rund 20 Prozent der Stimmen erhalten) diesmal die Wahl Horstmanns nahegelegt hatte.

Ein „Wechsel auf die Zukunft“

Damit hat Warendorf nicht nur den personellen Wechsel an der Spitze von Rat und Verwaltung gewählt, sondern die überwältigende Mehrzahl der 17 273 Wähler hat bei einer Wahlbeteiligung von 56,6 Prozent auch einen Wechsel auf die Zukunft ausgestellt. Der junge künftige „Erste Bürger“, der zum 1. November sein Amt antreten wird, hat nämlich einen Vertrauensvorschuss bekommen, der mit hohen Erwartungen verknüpft ist.

Er profitierte im Wesentlichen auch von der Stimmungslage, die sich aus verschiedenen Gründen gegen den amtierenden Bürgermeister Axel Linke gerichtet hatte. Der gebürtige Freckenhorster Peter Horstmann schnitt in der Stiftsstadt mit 87,4 Prozent besonders gut ab, in Warendorf-Stadt (74,6) und Hoetmar (75,7) lag er etwa im Schnitt, nur in Milte (68,7) und Einen-Müssingen (65,5) blieb er deutlich unter dem sensationellen Stadtergebnis.

Linke enttäuscht, nicht überrascht

Enttäuscht, aber nach der Erfahrung vom Wahltag am 13. September von dem Ergebnis höchstens in dieser Höhe überrascht, stellte sich Bürgermeister Axel Linke den Fragen der Medien. Er respektiere das demokratische Ergebnis und gratuliere seinem Nachfolger zu dem großen Erfolg: „Ich hoffe, Sie haben eine glückliche Hand, denn da kommt ‘was auf Sie zu.“

Er selbst habe „fünf Jahre 70 Stunden die Woche für diese Stadt gearbeitet“. Es sei ihm eine Freude und Ehre gewesen, Bürgermeister Warendorfs und Chef einer engagierten Verwaltungsmannschaft zu sein. Auf Frage von Mike Atig, der den ab 20 Uhr aus dem Rathaus gesendeten Internet-Livestream moderierte, sagte Linke, er fühle sich zwar „nicht missverstanden“ vom Wähler, aber es sei ihm offensichtlich nicht ausreichend gelungen, die Erfolge seiner Arbeit zu kommunizieren.

Er fühle sich nicht berufen, seinem Nachfolger Ratschläge zu geben, stehe aber jederzeit zur Verfügung, wenn er zur Amtsübergabe Fragen beantworten solle. Linke: „Ich überlasse meinem Nachfolger ein gut bestelltes Feld. Das habe ich von meinem Start vor fünf Jahren nicht vorgefunden.“

Horstmann: Ergebnis verpflichtet

Für Peter Horstmann ist es eine besondere Ehre, in seiner Geburtsstadt in diese verantwortungsvolle Position gewählt worden zu sein. Er sei überzeugt, dass auch Menschen seines Alters viel bewegen können und sieht sich auch als Vorbild für andere junge Leute, sich in der Politik zu engagieren.

Im Wahlkampf auf der Straße und an Haustüren habe er viel positive Resonanz erfahren. Wie Linke bedauerte auch Horstmann, dass es dagegen beim Wahlkampf im Internet viele unschöne Äußerungen gegeben habe.

In der Höhe habe er das Wahlergebnis so nicht erwartet. Auf ihn warte viel Arbeit und er wolle das Vertrauen, das seine Wähler in ihn gesetzt haben, nicht enttäuschen. „Ich interessiere mich für Menschen, und ich will ein zugänglicher Bürgermeister sein“, sagte der Neue.

Interview geht im Jubel unter

Das „letzte Wort“ bei der live ins Netz übertragenen Schaltung gewährte Mike Atig dem abgewählten Amtsinhaber. „Ich bin in diesen fünf Jahren vielen tollen Menschen hier begegnet, und ich hätte gern weiterhin in und für Warendorf viel bewegt.“

Kurz nach Feststellung des vorläufigen Endergebnisses gegen 19.20 Uhr hatte Axel Linke als Erster im Foyer den Medien Rede und Antwort gestanden. Am Ende gingen seine Worte unter, weil ihn Jubel vom Marktplatz übertönte, als sein Nachfolger mit dessen Unterstützern durch die offene Rathaustür hereinzog.

SOCIAL BOOKMARKS