Horstmann verpasst direkten Sieg knapp
Bild: Gabi Wild
Peter Horstmann (r.) wurde bei seinem Wahlgang im Pfarrheim St. Marien (im Hintergrund Wahlvorsteherin Andrea Wekeiser) von Bruder und Wahlkampfmanager Paul Horstmann begleitet. Am Abend hatte er nur knapp die absolute Mehrheit verpasst.
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Damit steht fest: Am 27. September gibt es eine Stichwahl zwischen Horstmann und dem bisherigen Amtsinhaber Axel Linke. An Spannung und Dramatik ist die Bürgermeisterwahl kaum zu überbieten.

Mal knapp drüber, mal knapp drunter

Gleich bei der Auszählung des ersten Stimmbezirks in Freckenhorst setzt Horstmann mit 61,69 Prozent ein klares Zeichen, während Linke nur 21,13 Prozent erhält. Danach geht es für Horstmann hin und her: mal über die 50-Prozent-Marke, mal knapp darunter.

Die Live-Übertragung im Sophiensaal findet zunächst nur mit zwei Bürgermeisterkandidaten statt: Peter Horstmann und Peter Huerkamp. Linke gesellt sich erst mit deutlicher Verspätung um 21.58 Uhr hinzu. Sichtlich geknickt und enttäuscht.

Stichwahl realistisches Szenario

Dass es eine Stichwahl geben werde, damit habe er im Vorfeld gerechnet, gesteht Peter Horstmann schon vorab im „Glocke“-Gespräch ein. „Das ist ein realistisches Szenario und durch die Kandidatur von Herrn Huerkamp klar.“ Dass ihm letztlich nur wenige Stimmen fehlen würden zum sofortigen Einzug ins Rathaus, damit habe er aber nicht gerechnet, sagt er.

Auf jeden Fall sei er gut vorbereitet, für die Stichwahl noch einmal in den Ring zu steigen, macht Horstmann deutlich. Vorsorglich habe er sich schon zwei Wochen Urlaub genommen. „Wir werden die Ärmel hochkrempeln und richtig Gast geben“, verspricht er.

Er hoffe, dass die hohe Wahlbeteiligung (63,28 Prozent) anhalte. Er werde versuchen, die Menschen noch besser zu erreichen, erklärt der Bürgermeisterkandidat. Dazu gehörten persönliche Gespräche an der Haustür und Infostände für die den Wähler. Aber auch Beiträge auf Instagram und Facebook.

Podcast mit Huerkamp

Vorstellen könne er sich auch einen gemeinsamen Podcast mit Huerkamp. „Der hat einen sehr engagierten Wahlkampf gemacht“, bescheinigt er seinem bisherigen Mitbewerber ums Bürgermeisteramt. „Wir müssen deutlich machen, dass wir jede Stimme brauchen“, unterstreicht Horstmann. Für die Stichwahl sei er optimistisch. „Schließlich fehlen nicht viele Stimmen.“

In der Podiumsrunde beglückwünscht der noch amtierende Bürgermeister Axel Linke seine beiden Herausforderer. Beide hätten ein sehr respektables Ergebnis errungen, räumt er ein. Für ihn als Amtsinhaber weniger als 30 Prozent zu holen, sei nicht das, was er erwartet habe.

Dinge zugeschoben

„Wir haben hier eine ganz bestimmte Stimmung gehabt“, sagt er und diese Stimmung habe die andere Seite gut auf den Boden bekommen. Man habe es verstanden, ihm Dinge zuzuschieben für die er wahrlich überhaupt nichts gekonnt habe. Als Beispiele nennt er das Lehrschwimmbad, Schließung des AWG und B 64. „Das war schon unfassbar und macht fassungslos“, unterstreicht er. Zumal für ihn feststehe: „Ich habe hier fünf Jahre gute Arbeit gemacht.“

„Aber das ist Demokratie und damit muss man leben“, ergänzt Linke. Dennoch gibt er nicht auf und setzt auf die Stichwahl. „Dafür werde ich kämpfen, das ist klar“, sagt er. Aber der Favorit stehe da vorne, ergänzt er mit Hinweis auf Horstmann.

Parteifrei

Im Siegermodus befindet sich direkt nach Schließung der Wahllokale zunächst Peter Huerkamp, der nach eigenen Worten für sich das Wort „parteifrei“ kreiert haben will. Es sei überhaupt nicht utopisch, dass er die meisten Stimmen im ersten Wahlgang erreiche, macht der 61-jährige Bürgermeisterkandidat deutlich.

„Wir sind angetreten, wie bei einem Marathon, mental auch ins Ziel zu kommen“, erklärt er. Das heiße, sein Unterstützerteam und er seien der festen Überzeugung, dass er im ersten Wahlgang durchgehen werde. „Das ist unser Ziel.“ Zumal die Wechselstimmung deutlich spürbar gewesen sei.

Live-Übertragung

Und so ist Huerkamp auch der erste der drei Bürgermeisterkandidaten, der pünktlich im Sophiensaal zur Live-Übertragung, initiiert von der Warendorfer Stadtverwaltung, erscheint. Nach Vorlage des vorläufigen Endergebnisses gegen 22.10 Uhr sieht die Situation indes anders aus.

Peter Huerkamp landet auf dem dritten Platz mit 20,54 Prozent. „Das ist ein sehr guter Achtungserfolg“, stellt er zufrieden fest. Zumal er als parteifreier Kandidat ins Rennen gegangen sei. „Das ist ein Novum, mit voller Kraft anzutreten ohne die Unterstützung einer Partei.“ Deshalb gehe der Dank an seine Unterstützer. Und ohne Frust ergänzt er: „Die Wähler haben entschieden. Das ist Demokratie. Das gilt es zu akzeptieren.“

Wechsel im Bürgermeisteramt

Wichtig sei ihm und seinen Unterstützern gewesen, einen Wechsel im Bürgermeisteramt in Warendorf hinzubekommen. Und es scheine sich abzuzeichnen, dass das gelingen werde. „Wenn ich Herrn Linke bemerkenswert viele Stimmen abgenommen habe, dann ist das in Ordnung.“

Ob er Horstmann bei der Stichwahl unterstützen werde, da will er sich noch nicht festlegen. „Das wird erst im Team abgestimmt.“ Zumal Horstmann nicht unabhängig sei. „Er sagt das zwar, wird aber von Parteien unterstützt.“ Und die wollten ihre Ideen auch in dem Kandidaten wiederfinden.

Klar sei bislang, dass die Entscheidung pro oder contra Unterstützung nicht bis zum 27. September dauern werde.

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