Hospital-Seelsorger: Kaputtsparen beenden
Archivbild: Ladermann
Krankenhausseelsorger Tobias Tiedeken, Pastoralreferent in St. Laurentius Warendorf, ist auch in der Corona-Krise für die Menschen im Josephs-Hospital Warendorf da. 
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Auch den Kontakt zu den Patienten im Josephs-Hospital musste der 43-Jährige anpassen. „Ich telefoniere viel, schreibe Briefe oder Mails“, berichtet Tiedeken. „Aber ich gehe auch persönlich zu Patienten.“ Auch einige wenige am Corona-Virus Erkrankte liegen im Warendorfer Krankenhaus.

Wunsch nach virtuellem Kontakt

Bisher sei es noch nicht zu einem direkten Kontakt mit ihnen gekommen, blickt der Seelsorger auf die vergangenen Wochen zurück. Er hofft, dass das Haus in Kürze zusätzlich eine bild-telefonische Kommunikation zur Verfügung stellt. „Das würde den Kontakt zu diesen Patienten erleichtern“, weiß Tiedeken.

Doch selbst wenn er zu einem Corona-Patienten gerufen würde: „Ich fühle mich durch die Maßnahmen hier im Krankenhaus ausreichend sicher und geschützt.“

50 Prozent seiner Stelle als Pastoralreferent in der Pfarrei St. Laurentius entfallen auf die Krankenhausseelsorge. Mit der anderen halben Stelle bringt er sich im Gemeindeleben ein. Die Aufgaben dort seien deutlich zurückgegangen. „Mit der gewonnenen Zeit widme ich mich verstärkt den Patienten. Es gibt viele, die Unterstützung gebrauchen können“, sagt er.

Verständnis für das Besuchsverbot

Bei den Patienten erlebt Tiedeken überwiegend Verständnis für die Situation und das damit verbundene Besuchsverbot. „Obwohl gerade das für viele wirklich eine sehr große Belastung bedeutet“, betont er. Erfahrungsgemäß würden gerade ältere Menschen, die nicht auf die verschiedenen sozialen Kommunikationswege zurückgreifen können, stark darunter leiden.

Kein Telefonat könne den direkten, persönlichen Kontakt mit geliebten Menschen ersetzen. „Das ist hart und tränenreich, ganz besonders, wenn jemand eine schwere Diagnose bekommen hat“, berichtet Tiedeken und ergänzt: „Gerade diesen Menschen versuche ich, zur Seite zu stehen.“

Auch Kranke daheim freut Aufmerksamkeit

Über einen Anruf, weiß Seelsorger Tobias Tiedeken, freuen sich auch diejenigen, die sonst regelmäßig als Patienten im Josephs-Hospital sind und derzeit mit schweren gesundheitlichen Einschränkungen zu Hause leben. „Die Isolation setzt vielen zu.“ Immer wieder bekommt er mit, dass Menschen so viel Angst vor dem Krankenhaus haben, dass sie bei Beschwerden aus Sorge vor einer Überweisung ins Krankenhaus zu spät einen Arzt aufsuchen. „Das kann fatale Folgen haben“, warnt Tiedeken.

Dabei seien die Sicherheitsvorkehrungen so umfangreich, dass das Risiko einer Ansteckung mit dem Virus im Krankenhaus gering sei: „Auf jeden Fall geringer als im Baumarkt.“ Der Krankenhausseelsorger ist nicht nur für die Patienten und ihre Angehörigen da, sondern auch für die Ärzte und das Pflegepersonal. Auch wenn die meisten Gespräche im Vorbeigehen stattfänden: „Schon das Gefühl, dass jemand da ist, der zuhört, tut gut“, sagt Tiedeken.

Auch das Personal ist verunsichert

Zitat

„Ich wünsche mir, dass das Bewusstsein dafür bleibt, welch unglaublich wichtigen Job die Pflegekräfte und die Sozialen Dienste, gerade in den Seniorenheimen, machen. Und dass die Bereitschaft unserer Gesellschaft wächst, diese Jobs nicht nur mit Beifall, sondern auch mit finanzieller und somit gesellschaftlicher Anerkennung zu honorieren.“ Tobias Tiedeken, St. Laurentius Warendorf, Krankenhausseelsorger im Josephs-Hospital

Zusätzlich zu den „Alltagsdingen“ wie der Angst vor einer Ansteckung, die Sorge um die Betreuung der eigenen Kinder oder die Pflege der Eltern belaste das Personal die Anspannung und Ungewissheit: „Was kommt auf uns zu? Kommt die große Welle noch? Reichen unsere Ressourcen? All diese Fragen haben Ärzte und Pflegenden als nervenzehrend erlebt – trotz bester Vorbereitung“, sagt der Krankenhausseelsorger.

Ein Ende der Corona-Krise sei noch nicht abzusehen, auch wenn die Infektionszahlen kontinuierlich sinken. Der Krankenhausseelsorger hofft, dass die Krise nachhaltig Auswirkung auf die Bedeutung des Gesundheitssektors haben wird. Die Politik müsse begreifen, dass das „Kaputtsparen und das Verweigern von finanzieller Verantwortung“ ein Ende haben muss. Letztlich würden sich die Maßnahmen konkret beim Personalschlüssel in der Pflege niederschlagen „und somit jedem Patienten zu Gute kommen – egal ob die Diagnose ,Corona‘ lautet oder eine andere Erkrankung behandelt werden muss“, betont Tiedeken.

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