Hungertuch lädt zu stillem Nachdenken ein
Bild: Gruhn
Das Freckenhorster Leinentuch und die darin eingefügten Bilder in der alten Technik der Filetstickerei mit den ebenfalls eingestickten Namen sind das Werk von 15 Frauen aus bekannten Familien des Ortes und der Bauerschaften von Freckenhorst.
Bild: Gruhn

Der Hintergrund für diese Bezeichnung war, weil das Tuch in jener Zeit vor Ostern vor dem Hochaltar der Kirche aufgehängt wurde.

In vielen Kirchen gab es ähnliche Tücher. Die Gläubigen sollten durch Verzicht auf das sonst übliche Essen und Trinken, eben durch das Fasten, sich in Gebeten in das Leiden Christi vertiefen. Hilfe boten ihnen dazu die in die Fastentücher eingearbeiteten bildlichen Darstellungen des Leidenswegs Christi bis zu seiner Kreuzigung.

Das Freckenhorster Leinentuch und die darin eingefügten Bilder in der alten Technik der Filetstickerei mit den ebenfalls eingestickten Namen sind das Werk von 15 Frauen aus bekannten Familien des Ortes und der Bauerschaften von Freckenhorst. Sie sind damit auch ein wertvolles Glaubenszeugnis.

Wie aber kam es zu der Fertigung dieses Werks der Textilkunst und des Glaubens im Jahre 1925? Ein praktischer Grund ist darin zu sehen, dass das berühmte Freckenhorster Hungertuch von 1628, das Besucher heute im Museum Stiftskammer in restauriertem Zustand betrachten können, damals so beschädigt war, dass es nicht mehr in der Fastenzeit ausgehängt werden konnte.

Der wahre Grund lag aber in der tiefen Religiosität und dem Lebensschicksal der Gräfin Elisabeth von Merveldt, die die Gemeinschaftsarbeit der frommen Stickerinnen anregte und künstlerisch betreute.

Ihr Wappen im letzten unteren Feld des Freckenhorster Hungertuchs gibt mit den Jahreszahlen 1878 und 1914 einen Schlüssel für das Motiv ihres Tuns: Ihr Mann Graf Friedrich August von Merveldt war, nur 36-jährig, zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 gefallen und hatte sie mit zwei kleinen Töchtern als Witwe zurückgelassen. Vergleichbare Familienschicksale und vergleichbare Trauer werden auch andere Freckenhorster Frauen in das Tuch hineingestickt haben.

Ausführlicher Bericht in der Warendorfer Lokal-Ausgabe vom 3. April 2020.

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