Inklusion aus Sicht Betroffener
Bild: Berg
Inklusion in der Schule war das Thema eines Abends, zu dem  der Offenen Kreis der Evangelischen Kirchengemeinde Warendorf eingeladen hatte.
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Der heute 14-Jährige lernte bis zur sechsten Klasse in einer Regelschule. Nun besucht er die achte Klasse einer Förderschule. Welche Erfahrungen Johannes mit beiden Schulformen gemacht hat, erzählte er am Montagabend im Offenen Kreis der evangelischen Kirchengemeinde Warendorf. Welche Probleme auftraten und immer noch auftreten, schilderte  seine Mutter Danuta. Und wie inklusiver Unterricht funktionieren kann, erläuterte Heiner Pasler.

Noten auf Realschule schlechter

Rückblickend gesehen fühlte sich Johannes nach eigenen Angaben in allen Schulen wohl. Auch in die Klassengemeinschaft sei er integriert gewesen. Der Übergang von der Grundschule in eine inklusive Klasse der Realschule habe ebenfalls gut funktioniert. Doch in einem schleichenden Prozess verschlechterten sich die Noten.

In der sechsten Klasse zeichnete sich plötzlich ab: Die Versetzung ist gefährdet. Was also tun? Zunächst lehnte die Familie einen Wechsel auf die Förderschule ab. Aber dann machte Johannes, bei dem der Förderschwerpunkt „sozial-emotional“ diagnostiziert worden war, ein Praktikum an einer solchen und war beeindruckt. „Er hat sich danach selbst für den Schulwechsel entschieden“, erinnert sich Pasler.

„Unterforderung“ in Förderschule

Ein Schritt, den der Teenager bislang nicht bereut hat – der aber inzwischen neue Fragen aufwirft. Denn die Mutter hat beobachtet, dass ihr Sohn an der neuen Schule „unterfordert“ sei. Tests hätte bei ihm zudem eine überdurchschnittliche Intelligenz ergeben. „Das kann ich mir auch gut vorstellen“, sagt Pasler.

Generell könne Johannes an der Förderschule einen normalen Schulabschluss der Sekundarstufe 1 erwerben. Doch entspricht der seinen Fähigkeiten, oder wäre ein neuerlicher Wechsel zurück an eine Regelschule sinnvoller? „Noch ist Zeit, bis man diese Entscheidung treffen muss. Aber die Mutter fühlt sich von den Behörden etwas alleingelassen“ weiß Pasler.

Heiner Pasler hat fünf Jahre eine inklusive Klasse an einer Realschule in Hamm geleitet. Von seinen 21 Schülern hatten sechs einen diagnostizierten Förderbedarf, und zwar ganz unterschiedlicher Art. Die allermeiste Zeit (26 von 30 Schulstunden) habe man den Unterricht zu zweit durchgeführt, erzählt er den rund 15 Besuchern des Offenen Kreises der evangelischen Kirchengemeinde. Unterstützt wurden er und seine Kollegin von bis zu drei Integrations-Helfern.

Schnellschüsse bringen nichts

Dennoch sei die Klasse manchmal außer Kontrolle geraten. „Aber nicht nur wegen der Förderschüler. Es gab auch immer wieder andere Schüler, die plötzlich große emotionale Probleme hatten. Deshalb ist es gut, dass Schulen Sozialpädagogen einstellen“, betont Pasler. Sein Wunsch an die Politik: Keine Schnellschüsse mehr bei Bildungsangelegenheiten. „Schule ist ein langsamer Apparat“, erklärt er und sagt, wie Inklusion vielleicht besser vorbereitet worden wäre: „Man hätte das Vorhaben erst an einigen Schulen testen und dann mit Ruhe und Weitsicht umsetzen müssen.“

Außerdem könne man Lehrern, die dafür nicht ausgebildet sind, keinen inklusiven Unterricht aufzwängen, bemängelt er und plädiert dafür, die Kommunikation zwischen Lehrern und Förderlehrern zu intensivieren. „Beide Seiten können voneinander lernen“, ist sich Pasler sicher.

Überhaupt sei „Lernen“ beim Thema „Inklusion“ ganz wichtig. „Das Schulamt der Stadt Hamm hat regelmäßig Fortbildungen angeboten. Mir hat das sehr geholfen, weil diese Schulungen sehr praxisorientiert waren und ich vieles sofort umsetzen konnte“, erzählt Pasler.

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