Johanna Lehmkühler ist Schützenkönigin
Bild: Studio Kaup
Die Throngesellschaft 2018 des Bürgerschützenvereins Warendorf um Königin Johanna Lehmkühler.
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Die neue Königin ist erst seit wenigen Monaten Mitglied der Damengarde. An ihrer Seite steht ihr Freund Dimitri Umanski (20). Er wird als erster „Prinzgemahl“ in die Historie des 177-jährigen Vereins eingehen. Dass er so und nicht als „König“ bezeichnet werden soll, hat der Vorstand des Traditionsvereins kurz nach dem Königinnenschuss in einer durchaus ernsten Spontansitzung beschlossen. Die Throngesellschaft führen allesamt junge Frauen aus der Damengarde an. Es sind Kommandeurin Anna Schulz mit Daniel Günnewig, Wibke Niemeyer mit Dennis Brüggemann, Lea Dopheide mit Robert Vornhusen, Sina Löbke mit Jonas Koch und Christina Hielscher mit Thomas Jostkleigrewe.

Johanna Lehmühler hatte sich im Finale unter der Vogelstange ein spannendes Duell mit dem Kommandeur des Gesamtvereins, Dr. Markus Wiedeler, geliefert und es am Ende für sich entschieden. Die Schützen hatten bereits am Vormittag gleich treffsicher losglegt. Die Insignien fielen innerhalb von drei Minuten. Ralph Perlewitz holte um 11.40 Uhr schon mit Schuss fünf die Krone, Harald Lehmkühler mit dem zwölften Schuss um 11.41 Uhr den Apfel und Stephan Bockholt um 11.42 Uhr mit dem 17. Schuss das Zepter.

Mit der Parade auf dem von vielen Zuschauern gesäumten Marktplatz hatte am Montagmorgen der Haupttag des Bürgerschützenfests begonnen. Für Präses Hermann Vinke war es das letzte Mal, dass er nach 18 Jahren in dieser Funktion die Teilnehmer und Zuschauer begrüßte.

Präses kündigt bei Parade Abschied an

Seitdem er im Jahr 2001 die Nachfolge von Josef „Semmi“ Weppel angetreten hatte, hat Vinke als Präses die Bürgerschützen entscheidend mit geprägt. Mit viel Stolz, aber auch etwas Wehmut zog er am Montagmorgen vor den angetretenen Formationen des Vereins, aber auch vor der Warendorfer Bürgergesellschaft Bilanz seiner Ägide. Offiziell kündigte er an, das Amt des Präses bei der nächsten Jahreshauptversammlung „in jüngere Hände“ übergeben zu wollen: „Alles hat seine Zeit, und jetzt ist dafür der richtige Zeitpunkt.“

 „Das Amt des Präses bei den Warendorfer Bürgerschützen ist das schönste Amt der Welt“, sagte der Mann, der als Warendorfer Institution schon viele Ehrenämter ausgeübt hat und noch immer ausübt, ob im Karneval, im Sport, in der Politik oder im Vereinswesen. Ohne Anderes abwerten zu wollen, bekannte er offen: „Kein Amt hat mir soviel Freude gemacht wie dieses.“ Vor allem deshalb, weil es darum gehe, den Menschen in dieser Stadt eine Freude zu bereiten.

18 Jahre an der Spitze des Traditionsvereins stehen zu dürfen, sei für ihn „Auszeichnung und Ehre zugleich“, sagte Vinke sichtlich bewegt: „Es hat sich gelohnt, denn ich hätte etwas in meinem Leben verpasst, wenn ich 2001, als mich Semmi Weppel fragte, nicht ,Ja‘ gesagt hätte.“ Traditionen zu wahren und die Zukunft zu gestalten – das sei das Motto des Vereins auch 177 Jahre nach seiner Wiederbegründung im Jahr 1841. Die Veränderungen im Programmablauf der vergangenen Jahre seien Ausdruck einer Weiterentwicklung, ohne dass Traditionen und Historie aus dem Blick verloren gingen.

Krönung 2018 auf dem Festplatz

Eine dieser Änderungen betrifft die Krönung der neuen Königin und ihres Prinzgemahls sowie die Vorstellung des Hofstaats, die diesmal auf dem Festplatz im Emsseepark erfolgte. Damit nimmt der Verein Abschied von einer seit 1983 eingebürgerten Tradition, für die Krönung vom Festplatz in die „gute Stube“ zu kommen. Aber auch das ist eigentlich kein Traditionsbruch, denn bis 1983, dem letzten Fest auf dem angestammten Festplatz am Bürgerhof, war die Krönung immer auf dem Festgelände. Gleichwohl hat für den scheidenden Präses der Marktplatz weiterhin zentrale Funktion. So ist es für ihn klar, dass auch in Zukunft die publikumsintensiven Programmteile wie Zapfenstreich und Parade auf dem Marktplatz stattfinden werden. Auch die Verbindung mit dem Heimatfest Mariä Himmelfahrt und gleichzeitige Rücksichtnahme auf die kirchlichen Veranstaltungen sind für Vinke gesetzt.

Anschlagsdrohung nur Rand-Thema

Nur kurz ging der Präses auf den Aufreger dieses  158. Schützenfestes seit 1841 ein, den Erpressungsversuch eines anonymen Briefschreibers, der die Absage des Fests gefordert, andernfalls einen Anschlag angedroht hatte. Am Freitag habe das Fest unter „unerfreulichen Vorzeichen“ gestanden, doch schon der Mottoabend wenige Stunden später habe sich als glanzvoller Auftakt erwiesen.

Und dann gab es noch ein weiteres denkwürdiges Wort des Präses zum Thema Veränderungen im Verein und Verbindungen zur Kirche: „Gott sei Dank“, sagte er mutmaßlich sehr bewusst, „sind die Vorbehalte gegen die Gründung einer Damengarde ausgeräumt worden.“ Immerhin ist auch ein Präses nicht der Papst. Dass er allerdings am Nachmittag der ersten Königin in der Geschichte des Vereins gratulieren würde, hatte der Präses wohl am Morgen noch nicht gedacht.

Weitere Berichte in der Warendorfer Ausgabe der „Glocke“ am 21. August.

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