„Jung kauft alt“: Anreiz mit Geld
Bild: Wild
Ein gelungenes Musterbeispiel für modernes Wohnen in historischer Bausubstanz haben gemeinsam (v.l.) Architekt Peter Lippert, Jörg Vorwerk (Vorwerk Stuck und Putz) sowie Investor Heinz Vorwerk realisiert. Am kommenden Samstag (9 bis 17 Uhr) präsentieren sie das grundsanierte Haus Gerichtsfuhlke 7 bei einem "Tag der offenen Tür".
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Bereits im dritten Jahr in Folge hatte die SPD-Ratsfraktion in Haushaltsplanberatungen beantragt, einen Etatposten für ein städtisches Förderprogramm „Jung kauft alt“ in den Etat einzuplanen. Und nachdem es auch für den Etat 2015 zunächst so ausgesehen hatte, dass das Ansinnen erneut keine Mehrheit finden würde, gab es jetzt im Hauptausschuss einen Durchbruch – wenn auch nur einen symbolischen.

Die ursprünglich beantragten 25 000 Euro wurden auf einen Merkposten von 10 000 Euro reduziert – ein Kompromiss, der schließlich bei nur drei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen (jeweils aus der CDU) im Ausschuss auch mehrheitsfähig war. Es geht darum, jungen Leuten, die bereit sind, alte Wohnhäuser in der Innenstadt zu kaufen und zu sanieren, einen Zuschuss aus der Stadtkasse zu gewähren, zum Beispiel zur Finanzierung von Gutachten. Genaueres weiß man noch nicht. Dazu müssten nun im kommenden Jahr erstmal Richtlinien erarbeitet werden, wer wieviel Geld und wofür eigentlich bekommen soll.

Völlig unklar ist auch, ob das Angebot, das finanziell mutmaßlich sowieso nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“ sein kann, überhaupt angenommen wird. Für den Fall ist jedenfalls nun ein Etatansatz da. Könnte kein schlüssiges Konzept entwickelt werden und würde das Geld in 2015 nicht abgerufen, hätte man sich auch nichts vergeben, so das Argument der Mehrheit. Kritisch blieb die CDU. Das Projekt sei viel zu „diffus“, fand Fraktionssprecher Ralph Perlewitz, und meint: „Der Markt wird das schon richten.“ Patrick Uchtmann fand das Programm „eine schöne Idee, aber nicht realistisch.“

Restriktiver Denkmalschutz bremst Investoren oft aus

Nicht in erster Linie finanzielle Hürden, sondern bürokratische, nämlich restriktiv angewandter Denkmalschutz, seien das größte Problem, wenn es darum gehe, historische Bausubstanz in der Altstadt vor dem Verfall zu retten. Das betonten Kritiker des auf SPD-Antrag beschlossenen Haushaltspostens zur Finanzierung des Programms „Jung kauft alt“.

Martin Schulte (CDU) hält den Denkmalschutz zur Erhaltung der historischen Altstadt zwar für wichtig, forderte aber, „die Bremsen zu lösen“: „Da wird des Guten oft zuviel getan – und zwar mehr als in anderen Städten.“ Alwin Wiggering (CDU) bezeichnete den Denkmalschutz als „Hauptproblem“ beim Versuch, Investoren für die Sanierung historischer Bausubstanz zu gewinnen. Wirklich widersprochen wurde der These auch aus den anderen Fraktionen nicht, die gleichwohl finanzielle Anreize gerade für junge Bauherrn als Möglichkeit sehen, wieder mehr Familienleben in die sonst womöglich verödende Altstadt zu bekommen.

Bürgermeister Jochen Walter räumte ein, dass „der Umgang mit Denkmalschutzbestimmungen auch innerhalb der Verwaltung ein umstrittenes Thema ist“. Für die Zukunft der vielgerühmten historischen Altstadt werde es von entscheidender Bedeutung sein, dass mehr private Investitionen in die erhaltenswerte Bausubstanz gesteckt würden. Dabei sei es richtig, das äußere Bild zu erhalten, im Inneren müsse es aber möglich sein, mehr Funktionalität für modernes Wohnen mit den heutigen Ansprüchen – und dazu zähle auch Barrierefreiheit – möglich zu machen. Wiggering pflichtete dem bei, konnte sich aber die rhetorische Frage nicht verkneifen, ob sich der Bürgermeister in seiner Verwaltung diesbezüglich wohl nicht durchsetzen könne?

Dass es mit den entsprechenden Möglichkeiten auch gut laufen kann, beweist gerade in diesen Tagen der Warendorfer Investor Heinz Vorwerk. Er hat ein Gadem in der Gerichtsfuhlke aufwändig, aber mit dem Anspruch, modernes Wohnen in alter Bausubstanz zu ermöglichen, umbauen lassen. Dabei sei zu Beginn mancher Strauß mit den Denkmalschützern ausgefochten worden, es sei am Ende aber zu Lösungen gekommen, um praktizierten Denkmalschutz und pragmatische Lösungen für heutige Wohnansprüche unter Dach und Fach zu bringen, sagt Architekt Peter Lippert.

Das Musterbeispiel ist in diesen Tagen fertiggestellt worden und kann am Samstag (9 bis 17 Uhr) besichtigt werden.

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