Junge Flüchtlinge lernen Umgebung kennen
Bild: Fenneker
So funktioniert‚s: Marie Asselmeyer erklärt den Busfahrplan.
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Und deswegen erklärt Stefan Molz das Bus- und Zug-System an diesem Tag im Interkulturellen Treff des @ttic.

An Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die nach einer Flucht nach Warendorf gekommen sind, richtet sich ein besonderes Angebot der Einrichtung. An zwei Vormittagen sind Acht- bis 16-Jährige aus den Notunterkünften eingeladen, im @ttic Spaß zu haben. An zwei Nachmittagen richtet sich das Angebot an die älteren Flüchtlinge, die der Stadt Warendorf bereits zugewiesen wurden.

„Die Kinder aus den Notunterkünften sollen mal rauskommen, was erleben“, beschreibt Marie Asselmeyer vom @ttic die Idee hinter dem Vormittagsangebot. Auch die Eltern hätten während dieser Zeit dann Raum für sich. Außerdem, wie @ttic-Leiter Stefan Molz sagt: „Wenn man jemanden kennt und mit ihm etwas unternommen hat, hat man eine ganz andere Beziehung zu ihm.“ So beugen die Aktivitäten in dem Jugendtreff auch möglichen Konflikten in den Notunterkünften vor. Die Kinder können im @ttic zusammen Computer, Kicker, Billard und Gesellschaftsspiele spielen. Nebenbei vermitteln die Sozialpädagogen auch die neue Sprache: „Beim Spiel ,Dixit’ sind alle immer ganz stolz, wenn sie ein deutsches Wort sagen können“, berichtet Marie Asselmeyer.

Für die Kinder und Jugendlichen sei das @ttic ein „Schutz- und Ruheraum“, sagt die 24-Jährige. „Die genießen die Zeit hier.“ Über ihre Fluchterfahrungen sprächen sie selten. „Wenn, dann meist in Zusammenhang mit einem aktuellen Anlass“ – etwa, dass sie zum Zuckerfest davon berichteten, wie früher aus diesem Anlass die ganze Familie zusammengekommen sei. Oder sie betonten, dass sie gern endlich wieder zur Schule gehen würden. Etwa 15 Kinder und Jugendliche nehmen im Schnitt an dem Vormittagsangebot teil.

Und während dort eindeutig die Freizeitorientierung im Vordergrund steht, geht es nachmittags um „Sozialraumerfahrung“, wie Molz erläutert: Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollen ihre Umgebung kennenlernen sowie den deutschen Alltag. Dazu gehört eben das Bussystem, aber auch beispielsweise die Bücherei, das HoT oder die Angebote von Sportvereinen.

Deutsche Jugendliche helfen mit

Etwa zehn bis zwölf Geflüchtete, darunter mehrere unbegleitete Minderjährige, nehmen an dem Nachmittags-Angebot in der Regel teil. „Ich komme hierher, um Spaß zu haben“, sagt Kaba Senkou. Er kommt aus Guineas Hauptstadt Conakry. „Warendorf ist sehr ruhig“, zieht er den Vergleich zur Großstadt. Außerdem sei er hier frei.

Mit dabei sind auch etwa zehn deutsche Jugendliche – denn natürlich ist die Idee im Hintergrund: Integration. „Sie stellen den Geflüchteten ihre Hobbys vor“, erklärt Marie Asselmeyer. Einer von ihnen ist Pascal Herold. „Wir gehen zusammen einkaufen, haben auch schon mal Cocktails gemacht“, berichtet der 16-Jährige. „Das macht Spaß.“

Die Sozialpädagogen erklären den Jugendlichen auch den deutschen Alltag und die deutsche Kultur. „Zum Beispiel, dass die Menschen nicht sauer auf sie sind, weil sie auf den Boden schauen, wenn sie an ihnen vorbeigehen –sondern dass das hier eben so ist“, sagt die 24-Jährige. Oder dass es okay ist, wenn jemand – wie sie – mit 24 nicht verheiratet ist.

Hintergrund

Beide Gruppen für junge Flüchtlinge laufen im @ttic unter der Überschrift „Interkultureller Treff“. Am Montag- und Mittwochvormittag von 11 bis 14 Uhr sind Acht- bis 16-Jährige aus den Notunterkünften willkommen. Montags von 16 bis 20 Uhr und freitags ab 15 Uhr kommen die Älteren – Jugendliche und junge Erwachsene. Letzteres Angebot ist offen gestaltet; es kann also jeder aus der Zielgruppe kommen, der möchte.

Die Geflüchteten, die derzeit das Angebot wahrnehmen, kommen unter anderem aus Afghanistan, Syrien, Irak, Iran, Guinea, Ghana und Nigeria. Die Angebote laufen seit dem 1. Juni. Vom 1. bis einschließlich 15. August ist Sommerpause, beide Angebote finden nicht statt.

Für die Kinder aus der Notunterkunft an der Mielestraße (Warendorf – die Küche) werden Begleiter gesucht, die sie montags und mittwochs um 11 Uhr zum @ttic bringen und sich gegen 13.45 Uhr wieder mit ihnen auf den Rückweg machen könnten. Wer Interesse hat, kann sich bei Stefan Molz melden:

Tel. 0176/21112808 (ab 10 Uhr), E-Mail: jugendarbeit@ek-warendorf.de

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