Krüßingfest mit ökumenischem Akzent
Bild: Baumjohann
Gemeinsamer Auszug zur Krüßing-Prozession: (v. l.) Pfarrer Stefan Döhner von der evangelischen Kirchengemeinde, Äbtissin Britta Rook vom Stift Börstel und Pfarrdechant Manfred Krampe.
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„Natürlich habe ich mit Gegenargumenten gerechnet“, sagt Pfarrdechant Manfred Krampe, der die ökumenische Gestaltung des Traditionsfests angeregt hatte. „Aber ich finde, das Reformationsgedenken ist eine ganz wichtige Sache, und Krüßing war gut geeignet, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken.“

In der Tat wurde im Vorfeld des Fests intensiv diskutiert wie nie. „Ich glaube, viele Gegner der ökumenischen Gestaltung hatten Angst, dass ihnen etwas Gewohntes weggenommen wird“, mutmaßt der Pfarrdechant. Dabei sei es ihm vor allem darum gegangen, in den alten Traditionen neue Formen zu suchen, die möglichst viele Menschen ansprechen. So wurden die Segensaltäre in diesem Jahr von katholischen und evangelischen Christen gemeinsam vorbereitet, und den Festgottesdienst in der Stiftskirche gestalteten neben Pfarrdechant Krampe der evangelische Pfarrer Stefan Döhner sowie Äbtissin Britta Rook vom freiweltlichen Stift Börstel.

Der wichtigste Knackpunkt: Bei der Prozession wurde – mit Rücksicht auf die evangelischen Teilnehmer – das Allerheiligste nicht mitgeführt. „Das hat Emotionen hervorgerufen, aber auch die haben sich wieder gelegt“, sagt Krampe, der gemeinsam mit dem Pfarreirat zahlreiche Aktionen zur Vorbereitung auf das Krüßingfest im Lutherjahr organisiert hatte. Dazu gehörten ökumenische Fastenpredigten, eine Fahrt auf den Spuren des Reformators zu den Lutherstädten und ein Vortrag von Professorin Dorothee Sattler, einer anerkannten Ökumene-Expertin der römisch-katholischen Kirche. Alle Kritiker waren auch damit sicher nicht zu überzeugen. „Aber viele sind bei der Prozession mitgegangen und wir haben viel positive Resonanz bekommen“, freut sich der Freckenhorster Geistliche. „Es ist gut gelaufen“, bilanziert er – auch wenn der organisatorische Aufwand hoch gewesen sei. „Es war ein intensives Krüßingfest, aber das sollte es ja auch sein.“

Mit dem Reformationstag am 31. Oktober, der erstmals deutschlandweit ein Feiertag war, ist das Lutherjahr offiziell zu Ende gegangen. Wird das Krüßingfest 2018 nun wieder nach gewohnter Tradition gefeiert? „Leider wird die ökumenische Ausrichtung wie in diesem Jahr keine Dauereinrichtung werden“, bedauert Pfarrdechant Manfred Krampe. Trotzdem will er überlegen, wie langfristig evangelische Elemente in das katholische Traditionsfest integriert werden können. „Denn ohne Ökumene geht es heute in der Kirche nicht mehr“, ist er überzeugt.

„Vielleicht nehmen wir 2018 Aspekte des Katholikentags in Münster mit in die Gestaltung des Krüßingfests auf“, überlegt der Pfarrdechant schon einmal vorsichtig. Ihm ist es wichtig, Traditionen wie Krüßing zu aktualisieren. „Wenn alles nur schematisch abläuft, dann fehlt das Leben“, sagt er. „Der Glaube muss immer Dynamik sein.“

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