Künstler um Graffiti-Zukunft besorgt
Bild: Gabi Wild
Mit „Katzenköppen“ hat der Warendorfer Künstler Smoe (Andreas Plautz) die Mauer der ehemaligen Textilfabrik Brinkhaus im Emsseepark besprayt. Jetzt befürchtet der 34-Jährige, dort zukünftig keine Graffitis mehr gestalten zu dürfen.
Bild: Gabi Wild

Begonnen hatte alles mit einem Türklingeln, das Smoe, der eigentlich Andreas Plautz heißt, morgens um 6 Uhr aus dem Bett scheuchte. „Auf einmal standen Polizisten bei mir vor der Tür. Sie hatten an der Wand, an der ich ein bis zwei Mal pro Jahr sprühe, zwei jugendliche Sprayer aufgegabelt“, erzählt Smoe.

Die hätten erzählt, er selbst habe eine Genehmigung und habe ihnen erlaubt, dort zu sprühen. „Die habe ich aber nicht“, betont Smoe. „Und ich habe niemandem etwas erlaubt.“

Graffiti-Kunstwerke liegen in rechtlicher Grauzone

Dass der stadtbekannte Graffiti-Künstler sich auf der Wand auf der Brinkhaus-Brache austobt, liegt im Bereich der Duldung, einer rechtlichen Grauzone, die das Sprühen dort weder explizit erlaubt noch verbietet. „Aber solange niemand etwas dagegen sagt, ist das Graffiti-Sprühen dort grundsätzlich in Ordnung“, sagt Smoe.

Zumal er nicht im Vorbeigehen Striche mit der Dose aufsprühe, sondern aufwendige Motive ausarbeite. In einer Zeugenaussage musste er unterschreiben, dass er den Jugendlichen keine Erlaubnis für ihren nächtlichen Streifzug gegeben habe.

Erst Unbehagen, dann Ideenreichtum

Von der Polizei erhielt Smoe zudem den Kontakt der Emsinsel GmbH, um sich dort eine Erlaubnis für seine Fassadenkunst einzuholen. Eine Aufforderung, die zuerst einmal Unbehagen, dann Ideenreichtum bei dem 34-Jährigen hervorrief.

Er bat seine Follower auf Facebook und Instagram darum, ihm Fotos zuzusenden, die sie mit der bunten Wand gemacht hatten. „Immerhin ist sie Hintergrund etwa für Hochzeits- oder Bandfotos“, betont er. Die Resonanz war groß: Etwa 40 Einsendungen hatte der Künstler bis gestern Nachmittag erhalten.

Follower senden Fotos mit Mauer im Hintergrund

„Mit so einem Feedback hätte ich nie gerechnet“, sagt Smoe. Die Bilder hängte er an eine E-Mail an die Arning Bauunternehmung GmbH aus Steinfurt an, der die Emsinsel GmbH gehört. „Ich wollte ihnen zeigen, wie beliebt die besprühte Mauer ist, und freundlich um Erlaubnis bitten“, betont Smoe.

Auf Anfrage der „Glocke“ äußerte sich am Donnerstag Arning-Geschäftsführer Oliver Hock: „Ich weiß noch nicht, ob wir die Erlaubnis erteilen. Aber grundsätzlich sind wir nicht abgeneigt. Ich konnte noch keine Entscheidung fällen, weil ich erst heute Mittag von dem Thema erfahren habe.“

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