Lärm ist für Anwohner unerträglich
Bild: Edelkötter
„Da kommt schon wieder einer angerauscht!“ Horst Stahl und seine Tochter Sophie, die das Foto für das Hinweisschild „geschossen“ hat, machen auf die Sorgen und Nöte der Anlieger an der Milter Straße aufmerksam. Aus leidvoller Erfahrung wissen sie, dass das Durchfahrtsverbot von den Brummi-Fahrern allzu gern missachtet wird.
Bild: Edelkötter

Großflächige Transparente und Plakate, wie sie beispielsweise Gegner und Befürworter der Umgehungsstraße B 64 n zur Schau stellen, sucht man im Nordwesten Warendorfs vergebens. „Die Anwohner der Milter Straße bitten um Einsicht!“ steht da lediglich auf einem vergleichsweise kleinen Schild zu lesen, das die vorbeirauschenden Kraftfahrer in der Regel gar nicht wahrnehmen werden.

Das Foto auf der Hinweistafel ist am Kreisverkehr – einige hundert Meter weiter stadtauswärts – entstanden, dort, wo das fertiggestellte Teilstück der Stadtstraße Nord und die Milter Straße zusammentreffen. Es zeigt das Ortseingangsschild von Warendorf und im Vordergrund ein Verbotsschild, das dem Schwerlastverkehr die Durchfahrt untersagt. Problem nur: Die wenigsten Brummi-Fahrer halten sich daran. Und davon haben die Menschen, die dort leben, die Nase gestrichen voll.

„Von morgens bis abends donnern die schweren Lastzüge an unserer Haustür vorbei. Das ist unerträglich“, schimpft Horst Stahl, der das von Tochter Sophie Stahl angefertigte Hinweisschild an dem Baum angebracht hat. In seinem Haus, die Familie Stahl wohnt seit 1993 an der Milter Straße, hätten sich bereits Setzrisse gebildet, beklagt der Anlieger, der in den Erschütterungen des Bodens durch den Schwerlastverkehr dafür die Ursache sieht.

 „Als wir vor zehn Jahren unser Haus gekauft haben, ist es hier noch wesentlich ruhiger gewesen“, findet Gundula Herbarth, die inzwischen die Hoffnung fast aufgegeben hat, dass sich Lastwagenfahrer an das Durchfahrtsverbot tatsächlich auch halten. „Eine Zeit lang habe ich mir die Namen der Speditionen notiert, die ihre Laster hier durchschicken und habe die Verantwortlichen angeschrieben oder direkt angesprochen“, berichtet die Warendorferin. Dabei habe sie dann auch erfahren, dass einige Transportunternehmen Ausnahmegenehmigungen hätten und die Milter Straße befahren dürften. Das Verbotsschild werde damit zur Farce, findet sie.

 Inzwischen habe sie ihre Bemühungen eingestellt. „Meine Nerven sind mir einfach zu kostbar“, betont Gundula Herbarth. Wenn es schon mit der Einsicht der Kraftfahrer nicht klappt, um die Anlieger zu entlasten, dann vielleicht irgendwann mit dem Straßenbau. Die Anwohner der Milter Straßen jedenfalls hoffen auf eine baldige Vollendung der Stadtstraße Nord.

Für Kraftfahrer, die aus Milte kommend Warendorf erreichen und ihre Tour zum Beispiel Richtung Münster oder Everswinkel fortsetzen wollen, bedeutet die aufgrund des aufgestellten Verbotsschildes am Kreisel an der Milter Straße vorgeschriebene Fahrtroute einen Umweg. Über die bereits fertiggestellten Abschnitte eins und zwei der Stadtstraße Nord ginge es bis an den östlichen Ortsrand der Emsstadt und von der dort über die großzügig mit Ampeln bestückte B-64-Ortsdurchfahrt westwärts.

Dass viele Brummi-Fahrer beim Anblick des Schildes (Bild) gerne beide Augen zudrücken, ist verständlich. Auch Navigationssysteme schicken die Kraftfahrer über die Milter Straße und würden die Verkehrsteilnehmer bei Ausweichversuchen spätestens an der Dr.-Rau-Allee wieder Richtung Innenstadt schicken. Eine Lösung für die Nöte der Anlieger an der Milter Straße könnte die Vollendung der Stadtstraße Nord (dritter Bauabschnitt von der Milter Straße zur B 64) darstellen. Allerdings wird der Straßenbau insbesondere von Naturschützern – die Trasse führt durch die Emsaue und erfordert einen umfangreichen Brückenbau – kritisch gesehen.

Blockiert wurde die Planung der Trasse in der Vergangenheit zudem durch eine Verknüpfung des Sachverhalts mit dem geplanten Bau der Umgehungsstraße B 64 n. Die Befürworter der Umgehung befürchten, dass die B 64 n nach Vollendung der Stadtstraße Nord für überflüssig erachtet werden könnte. Im Verkehrskonzept für Warendorf, das zurzeit erarbeitet und kurz vor der Fertigstellung steht, wird ein solcher Zusammenhang zwischen den beiden Projekten jedoch verneint. Deshalb sind für das Haushaltsjahr 2012 entsprechende Mittel zur Planung des letzten Bauabschnitts der Stadtstraße in den Etat eingestellt.

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